Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Altencelle Kinder sollen von Robby lernen
Celle Aus der Stadt Altencelle Kinder sollen von Robby lernen
18:35 28.12.2018
Von Dagny Siebke
Robby isst den Celler Honig lieber mit dem Löffel. Zusammen mit der Tierärztin Alexandra Dörnath will Circus Belly ein Kompetenz-Zentrum eröffnen und Kindern zeigen, wie intelligent Affen sind. Quelle: Oliver Knoblich
Celle

Es ist schon faszinierend zu sehen, wie Robby auf Menschen reagiert. Neugierig schaut er ihnen in die Augen, reicht ihnen die Hand und inspiziert den Notizblock. Wenn sich sein Ziehvater Klaus Köhler zu ihm setzt, gibt der Schimpanse ihm einfach ein Küsschen. Honig isst der 47-jährige Affe nicht mit den Fingern, sondern mit einem Löffel. "Jeden Morgen bekommt Robby ein bisschen Honig in seinen Tee", verrät der Zirkusdirektor.

Klaus Köhler hat aufregende Jahre hinter sich. Anfang November entschied das Oberverwaltungsgericht in Lüneburg, dass Deutschlands letzter Menschenaffe im Zirkus seinen Lebensabend im Circus Belly verbringen darf. Vor einer Woche glückte die Premiere des 18. Celler Weihnachtszirkus. „Alle haben uns gratuliert, dass Robby hierbleibt. Es gab sogar Menschen, die ihm einen Karton Bananen vorbeigebracht haben." Sogar aus dem Ausland kamen Glückwünsche.

Robby hat eigenen Twitter-Kanal

Der Zirkusdirektor sagt, dass er zwar sehr, sehr erleichtert sei. Aber die sieben Jahre, in denen er Streit mit der Tierschutzorganisation Peta hatte, haben Spuren hinterlassen. „Wenn etwas so lange anhält, dann kann man nicht gleich herunterfahren.“

Selbst im Alter von 70 Jahren ist für Klaus Köhler kein Ruhestand in Sicht. Postkarten und einen Kalender mit Robby gibt es bereits. Nun hat der Schimpanse auch noch seinen eigenen Twitter-Kanal @SchimpanseRobby. Als Nächstes will Köhler Circus Belly zusammen mit der Bremer Tierärztin Alexandra Dörnath zum Kompetenz-Zentrum ausbauen.

Robby soll Artgenossen unterstützen

„Schimpansen sind vom Aussterben bedroht. Nirgendwo anders als im Circus Belly ist es möglich, so nah an einen Menschenaffen heranzukommen“, erzählt Alexandra Dörnath. „Nicht jeder kann nach Afrika fliegen. Hier bei Circus Belly können Kinder auf einmalige Weise erleben, wie Mensch und Affe interagieren und Respekt vor der Natur erlernen.“ Noch stecke die Idee in den Kinderschuhen, so die Expertin für Exoten. Doch innerhalb von drei Monaten wollen Robbys beste Freunde ein tragfähiges Konzept entwerfen und einen Verein mit einem wissenschaftlichen Beirat gründen.

Die Tierärztin kann sich vorstellen, vor Schulklassen oder Kita-Gruppen Vorträge zu halten. Zudem könnten Einzelpersonen Privataudienzen bei Robby buchen. „Schimpansen sind unsere Artgenossen. 98 Prozent unserer menschlichen Gene stimmen mit ihnen überein“, so Alexandra Dörnath. Sie möchte zeigen, wie schlau die Affen sind und wie sie mit Werkzeug umgehen. Filme, wie grausam Schimpansen in freier Wildbahn miteinander umgehen können, will die Tierärztin den Kindern jedoch nicht zeigen.

Tierärztin: Zirkusdirektor besitzt Gabe

Alexandra Dörnath findet, dass Klaus Köhler eine einmalige Gabe besitzt. „Er spricht mit seinen Tieren und geht mit ihnen völlig gewaltfrei um“, sagt die Bremerin. Nur mit einer positiven Verstärkung sage er ihnen, was sie machen sollten.

„Tiere brauchen den Menschen. Und Menschen brauchen Tiere“, ist sich Alexandra Dörnath sicher. Im Zoo oder im Zirkus gebe es verschiedene Herangehensweisen. „Auch in freier Wildbahn gibt es für Schimpansen keine Freiheit, weil sie den ganzen Tag aufpassen müssen, nicht von einem Leopard gefressen zu werden.“ Im Vergleich dazu habe Robby im Zirkus mehr Freizeit, Struktur und Beschäftigung. Klaus Köhler hält Robby sogar für einen Psychologen. „Er taxiert die Menschen genau."

Jahrelanges Ringen um Robbys Zukunft hat ein Ende

Seit sieben Jahren wirft die Tierschutzorganisation Peta Circus Belly vor, seine Tiere nicht artgerecht zu halten, und fordert die Freilassung von Robby.

Anfang 2013 zählt Peta das Celler Veterinäramt zu den tierfeindlichsten in ganz Deutschland, weil es bei Robby nicht aktiv würde.

Am 30. September 2015 hat der Landkreis Celle die Genehmigung zur Haltung von Robby nicht verlängert. Entgegen früherer Gutachten rechneten Primatologen dem Schimpansen „aufgrund neuer Bewertungen“ gute Erfolgsaussichten aus, unter Artgenossen „resozialisiert“ werden zu können.

Im Eilverfahren klagte der Zirkusdirektor Klaus Köhler gegen den Bescheid. Das Verwaltungsgericht gab Circus Belly anderthalb Jahre Aufschub.

Am 27. April 2017 urteilte das Verwaltungsgericht Lüneburg, dass Robby sein Zuhause verlassen müsse. Doch Köhler ging in Berufung und erhielt erneut einen Aufschub.

Am 8. November 2018 entschied das Oberverwaltungsgericht Lüneburg, dass Robby bei seinem Ziehvater Klaus Köhler bleiben darf. Robby sei zwar auf Menschen geprägt. Doch habe der Landkreis unter anderem das hohe Alter des Tieres und die damit verbundenen Unwägbarkeiten einer möglicherweise Jahre dauernden Resozialisierung nicht ausreichend berücksichtigt. Das Urteil ist seit 20. Dezember rechtskräftig, da der zuständige Landkreis Celle keine Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Revision eingelegt hat. 

Noch bis zum Sonntag, 6. Januar, gastiert der Celler Weihnachtszirkus an der Braunschweiger Heerstraße 102. Die Ticket-Hotline ist unter Telefon (0175) 4144644 erreichbar.