Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Celle Ortsteile 38-Jähriger Angeklagter erinnert sich nicht an Mordversuch in Celle
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile 38-Jähriger Angeklagter erinnert sich nicht an Mordversuch in Celle
18:26 25.07.2017
Ein 38-Jähriger steht vor dem Landgericht Lüneburg, weil er die Wohnung seiner Ex-Freundin in Brand gesetzt hat. Quelle: dpa (Symbolfoto)
Uelzen

LÜNEBURG. Wachtmeister führen den 38-Jährigen am Dienstagvormittag aus dem Gefängnis direkt in den Saal 21 des Lüneburger Landgerichts. Die Vorwürfe, die die 4. Große Strafkammer bis Anfang September juristisch aufarbeiten muss, wiegen schwer. Versuchter Mord mit den Merkmalen der Heimtücke der niedrigen Beweggründe und Brandstiftung werden dem Mann vorgeworfen. Er soll in Celle versucht haben, seine frühere Lebensgefährtin zu töten, weil sie sich von ihm getrennt hatte. Dabei habe er auch den Tod der beiden Töchter seiner Ex-Freundin billigend in Kauf genommen.

Als die Staatsanwältin die Anklageschrift vorträgt, schaut der Beschuldigte starr auf den Tisch. Die Konfrontation mit den Ereignissen, die sich am 31. Januar an der Welfenallee abspielten, setzen ihm merklich zu: Laut Anklage soll er im Schutze der Dunkelheit, gegen 17.25 Uhr, vor der Hausnummer 3 eine mit Benzin gefüllte und mit einem Stofflappen präparierte Plastikflasche vor der Erdgeschosswohnung der Frau angezündet und auf ihren Balkon geworfen haben. Ein Nachbar reagierte geistesgegenwärtig und erstickte die lodernde Lunte. Wenige Augenblicke später trafen Rettungsdienst, Feuerwehr, Polizei mit einem Großaufgebot ein und kümmerten sich um die verstörten Mieter.

"Ich werde die Wahrheit erzählen", leitet der 38-Jährige seine Aussage ein. Den fraglichen Tag Ende Januar habe er mit zwei Männern, einem Polen und einem Rumänen, verbracht. Irgendwann am Abend habe das Trio geplant, ein Lagerfeuer in einem Park zu entfachen. Deshalb habe er das Benzin mitgeführt. Doch dazu sei es nicht mehr gekommen. "Bin bei der Polizei aufgewacht. Kann mich nicht erinnern, auf dem Balkon gewesen zu sein", sagt der Angeklagte.

Der Vorsitzende Richter Franz Kompisch legt dem 38-Jährigen eine andere Verteidigungsstrategie nahe: "Wir können uns das tagelang anhören, ich habe große Schwierigkeiten Ihnen zu glauben. So geht das hier schief". Doch der Tatverdächtige weicht nicht von seiner kruden Erzählung ab, die gespickt ist von Erinnerungslücken. Von der ehemaligen Lebensgefährtin des Angeklagten erhofft sich die Kammer Information über die Beziehung zu erhalten. Die 31-Jährige berichtet, dass sie ihren Ex-Freund im vergangenen Oktober kennengelernt habe. Die ersten Wochen verliefen harmonisch. Das änderte sich kurz vor Weihnachten. Eine Mischung aus viel Alkohol, verbunden mit dem gegenseitigen Bezichtigen von Lug und Trug zerstörte das Zusammenleben jäh.Nach dem Auszug habe der Ex-Freund einen mehrwöchigen Telefonterror begonnen. "Ich bringe Dich um. Du sollst sterben. Pass auf die Kinder auf, da könnte etwas mit dem Auto sein", zitiert sie den Angeklagten. Die schmächtige Frau referiert ruhig, doch je näher sich Richter Kompisch zum Tag des Anschlags tastet, verliert die gelernte Altenpflegerin zunehmend die Konzentration. In der Wohnung hielt sich an jenem 31. Januar nur die jüngste Tochter auf. Ihre Mutter schildert, dass die neunjährige Schülerin einen Knall hörte und hohe Flammen sah, die auf einen Gartenstuhl übergriffen. Die Familie leidet bis heute unter den physischen Folgen des Verbrechens.

Kurz nach der Festnahme zeigt die abgezapfte Blutprobe des 38-Jährigen einen Wert von mehr als drei Promille an. Die Frage einer möglichen verminderten Schuldfähigkeit, stellt sich laut Staatsanwaltschaft jedoch nicht. Die Strafverfolger begründen dies mit mehreren Ereignissen: So soll der Angeklagte die Tochter seiner Freundin bedrängt und mit Stöcken beworfen haben. Die per Telefon angekündigten Manipulationen am Auto gab es wirklich, in Form von zerstochenen Reifen.

Mitte August geht der Prozess mit der Vernehmung mehrerer Zeugen weiter. Das Gericht hat bis 4. September fünf Termine angesetzt.

Von Benjamin Reimers