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Celle Ortsteile Abfallzweckverband Celle: Rückwärtsfahren "verboten"
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Abfallzweckverband Celle: Rückwärtsfahren "verboten"
09:31 09.08.2017
Von Gunther Meinrenken
Quelle: Oliver Knoblich
Celle

Der andere Grund: Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGV), der Unfallversicherungsträger der Kommunen, hat für das Rückwärtsfahren neue Regelungen aufgestellt, zufällig im gleichen Monat, in dem der tödliche Unfall in Lüneburg passierte. Der Kernsatz: "Das Rückwärtsfahren und das Zurücksetzen stellen so gefährliche Verkehrsvorgänge dar, dass sie nach Möglichkeit zu vermeiden sind."

Was recht lapidar klingt und erst einmal nur eine Vorschrift des Versicherers ist, kann weitreichende Folgen haben. Das weiß Tobias Woeste, Geschäftsführer des Abfallzweckverbandes. Denn in die Praxis übersetzt heißt die neue Regelung: "Falls ein Unfall passiert, müssen wir nachweisen, dass wir nicht anders als rückwärts hätten fahren können. Und genau das machen wir jetzt gerade", sagt Woeste. Ansonsten könne es Probleme geben, dass die DGV für die entstandenen Personen- und Sachschäden einsteht.

Unfälle geschehen auch in Celle immer wieder. Allein in diesem Jahr gab es 24 Vorfälle mit Müllfahrzeugen auf den Straßen des Landkreises, neun davon passierten beim Rückwärtsfahren. "Ein tödlicher Unfall war zum Glück nicht dabei. Wir möchten so etwas wie in Lüneburg nicht erleben. Das strahlt auf die ganze Belegschaft aus, auch wenn die Fahrer keine Schuld trifft", so Woeste.

Der Altenceller Oderweg ist bei Weitem nicht die einzige Straße, in der die Müllfahrzeuge nur rückwärts hineinfahren können. Um dem Versicherer Genüge zu tun, hat ein Mitarbeiter des Abfallzweckverbands in den vergangenen drei Monaten ein Kataster erstellt. Ergebnis: Insgesamt gibt es 510 Straßen, in denen die Müllfahrzeuge nicht wenden können und daher den Rückwärtsgang einlegen. "Wir haben jede Menge Daten erfasst. Straßenbreite, Straßenlänge, gibt es Altenheime oder Kindergärten", erklärt Woeste.

Die eigentliche Arbeit beginnt jetzt. Wegen des großen Aufwands wird der Abfallzweckverband eine Fremdfirma beauftragen. Für jede Straße wird dann geschaut, ob sie sich im Tourenplan nicht geschickter einfügen lässt. Das dürfte kaum der Fall sein. "Dann prüfen wir, ob durch bauliche Veränderungen etwas verbessert werden kann. Hier im Oderweg zum Beispiel könnte man eine Öffnung zur Sackgasse des Allerstedtskamps in Erwägung ziehen. Überall, wo etwas machbar wäre, werden wir einen Antrag an die Stadt stellen", so Woeste, der weiß, dass dies wohl in den wenigsten Fällen befürwortet werden dürfte. Allein er will den Nachweis für den Versicherer haben, dass er auch wirklich alles versucht hat.

In den Straßen, in denen das Gefährdungspotenzial zu hoch ist, werden die Anwohner unbequeme Neuerungen in Kauf nehmen müssen. "Wir werden wohl nicht darum herumkommen, Sammelplätze einzurichten", ist sich Woeste sicher. Den Einbau von Rückfahrassistenten in die Müllfahrzeuge zieht der Abfallzweckverband noch nicht in Erwägung. "Wir warten erst ab, welches System unser Versicherer für gut befindet."