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Celle Ortsteile Altenceller Archäologen starten in Saison
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Altenceller Archäologen starten in Saison
20:00 16.03.2015
Von Michael Ende
Vermutlich eine Palisade der Brunonenburg: Zeichnung der kürzlich entdeckten Pfahlspitze. Quelle: Cornelia Lohwasser
Altencelle

„Mittelalter in Altencelle – Vorstellung und Wirklichkeit“ – so lautet der Titel eines Vortrags, zu dem die Archäologin Cornelia Lohwasser vom Seminar für Ur- und Frühgeschichte der Universität Göttingen am Donnerstag, 19. März, um 19.30 Uhr in die Aula der Lobetalarbeit (Zugang über Linerweg) einlädt.

„Allmählich zeichnen die Ergebnisse der archäologischen Untersuchungen ein deutlicheres Bild des hochmittelalterlichen Celle. Mit Hilfe der Magnetprospektion wurde nun die gesamte Erstreckung des Ortes sichtbar“, so die Archäologin, die die um 1292 im Dunkel der Geschichte versunkene Stadt „Tsellis“ erforscht: „Ein wichtiger Baustein für die Stadtstruktur ist der Hafen, der mit hoher Wahrscheinlichkeit östlich der Kirche an einem heute verfüllten, ehemaligen Aller-Seitenarm lag, wie eine Ausgrabung und mehrere geologische Bohrungen nahelegen. Eine Ausgrabung an der Brunonenburg ermöglichte den Blick auf zwei hochmittelalterliche Siedlungsschichten und förderte aus der älteren Schicht einen mächtigen Holzpfahl zu Tage. Dieser wird ein sehr genaues Datum der Gründung der ersten Burg Celles liefern – vielleicht liegt es sogar im ersten Jahrtausend.“

2014 sei bei Magnetometer-Messungen ein kurzer zweiter, bislang unbekannter Straßenzug zwischen Hof Ebeling und Hof Schulz-Wallheinke entdeckt worden. Parallel neben der heutigen Bebauung zeige das Messbild einen Weg mit nach Osten reichenden Grundstücken, die mit Steinflächen, kleinen Kellern und anderen Anomalien besetzt seien, so Lohwasser: „Für die Einordnung des Straßenzuges ins Mittelalter spricht ein fast kompletter Mehrpassbecher, der in diesem Areal bei einer bislang unbekannten Grabung Ende der 1940er Jahre gefunden wurde. Nahezu die ganze Saison wurde ein Grabungsschnitt nach dem anderen geöffnet und wieder verfüllt. Die Schnitte lagen im Osten der Gertrudenkirche, auf dem Gelände der Brunonenburg/Hof Schulz-Wallheinke und auf verschiedenen Grundstücken in Zentral-Altencelle und erbrachten neue Erkenntnisse zur Topographie des mittelalterlichen Ortes.“

Östlich des Pottgartens, so heißt die Terrasse östlich der Gertrudenkirche, wurde in einem Grabungsschnitt ein neuzeitlich verfüllter Aller-Seitenarm entdeckt. „Dazu war festzustellen, dass die Terrassierung des Pottgartens vermutlich von Menschenhand angelegt ist, denn Fundamentgruben für einen Außenaltar gaben den Blick auf einen mächtigen Erdauftrag frei“, so Lohwasser. Dort, wo man den einstigen Hafen vermute, wolle man in Kürze weitergraben.

Zwei Grabungsschnitte im Südostbereich der Brunonenburg auf dem Hof Schulz-Wallheinke hätten eine schon von Ernst Sprockhoff festgestellte Zweiphasigkeit der Brunonenburg bestätigt: „In der oberen, jüngeren Bebauungsphase trat eine Art zerstörte Steinrollierung auf, in der unteren Schicht kamen Reste hölzerner Bebauung zum Vorschein. Ein rund zwei Meter langer, angespitzter Eichenstamm gehörte vielleicht zur Palisade der Burg.“ Dieser im wahrsten Sinne „große“ Fund werde eine sehr genaue Datierung erbringen, was zugleich ein Datum für die Erbauung der ersten Burg Celles bedeute, hofft die Forscherin.

Die Funde der Grabungen im Pottgarten und in der Brunonenburg sind bis auf Weiteres im ersten Stock des Neuen Rathauses ausgestellt und zu den Öffnungszeiten des Rathauses für jedermann zugänglich. Dazu werden auch die Ergebnisse weiterer Grabungen auf den Grundstücken des Pfarrhauses, der Familie Heindorff und der Familie Nebelsiek mit Fotos und Beschreibungen präsentiert.

Noch sei längst nicht Schluss mit der Archäologie in Altencelle, sagt Lohwasser: „In der Woche vor und nach Ostern werden noch zwei größere Schnitte im Umgriff der Kirche gegraben: Einer im besagten Hafenbereich, der andere auf dem Niemarkt, über den eventuell die Ortsumgehung geführt werden soll. Im Anschluss werden alle, alle, alle Ergebnisse ausgewertet und in Buchform zusammengeführt.“