Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Celle Ortsteile Altenceller "Nienburg" mit Scherben überschwemmt
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Altenceller "Nienburg" mit Scherben überschwemmt
09:57 13.09.2013
Von Michael Ende
Vermutlich Relikte der eisenzeitlichen "Nienburger Gruppe": Die Scherben sind Fragmente unterschiedlichster Gefäße, teils von großen groben Vorratstöpfen, teils von Koch- und Tischkeramik. Quelle: Michael Ende
Altencelle

Dass die Archäologin Cornelia Lohwasser, die im Rahmen des Forschungsprojektes „Stadtwüstung Altencelle“ der Uni Göttingen die Altenceller „Nienburg“ untersucht auf dieser Düne tatsächlich noch etwas von Belang finden würde, hatte sie nach ersten dürftigen Grabungsergebnissen kaum noch gehofft. Doch es kam anders. „Die Nienburg ist mit Scherben überschwemmt“, lacht sie.

Eigentlich sei nach dem Auffinden des kleinen Hausgrundrisses im August zu erwarten gewesen, dass bald der gewachsene Boden erreicht würde, so Lohwasser: „Stattdessen stießen wir noch etwas tiefer auf eine Kulturschicht aus der frühen Eisenzeit, die sehr viel Keramikscherben enthielt. In diese Schicht tiefen einige flache Gruben ein. Am Ostrand eines der Schnitte verdichtet sich das Fundgut.“ In diese Richtung, also etwa mittig auf dem "Nienburg"-Plateau, sei möglicherweise das Zentrum eines Gehöftes zu erwarten, das Haupthaus und der Hauptwirtschaftsbereich: „Die Grabungsschnitte liegen knapp daneben. Aber knapp daneben ist auch daneben.“

Bis jetzt habe das Archäologen-Team etwa eineinhalb Eimer Keramik geborgen, berichtet Lohwasser: „Aus purer Neugierde, weil wir es nicht erwarten können, reinigen wir die Stücke oft gleich vor Ort, denn auf den Wandungsstücken sind in etwa einem von 50 Fällen eingeritzte Strichbündel oder kleine Dellen erkennbar. Die Gefäßmündungen sind manchmal mit Fingertupfen verziert. Diese Merkmale sprechen vorläufig für eine Einordnung in die eisenzeitliche Nienburger Gruppe.“ Eisen oder auch anderes Metall sei aber bis jetzt nicht aufgetaucht.

Die Scherben sind Fragmente unterschiedlichster Gefäße, teils von großen groben Vorratstöpfen, teils von Koch- und Tischkeramik. Die Bruchstücke sprechen nach Einschätzung der Wissenschaftlerin für eine Siedlungsschicht, nicht für Gräber: „In Gräbern wären die Fragmente größer oder die Gefäße wären als Bestandteile mitgegebener Geschirrsätze ganz oder immerhin ziemlich unversehrt.“

Lohwassers Fazit: „Auf der Nienburg gibt es weder Mittelalter noch Neuzeit. Es muss mit eisenzeitlicher Besiedlung gerechnet werden, vermutlich mit einem Gehöft, eventuell mit Nebengebäuden.“ Damit müsse die Forscherin es fürs Erste aus den Augen verlieren: „Leider, leider, leider kann dieses nun nicht ausgegraben werden, da das aktuelle archäologische Projekt die Feststellung des mittelalterlichen Altencelle und nicht die Freilegung eisenzeitlicher Hofstellen vorsieht.“ Eine ordentliche Ausgrabung der Fläche würde mit dem derzeitigen Mitarbeiterpotential mehrere Monate dauern: „Jedoch kann man sich die Ausgrabung der eisenzeitlichen Nienburg für ein künftiges Projekt vornehmen, das auch sehr lohnenswert wäre – denn in Niedersachsen sind eisenzeitliche Siedlungsbefunde bislang rar.“ Michael Ende