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Celle Ortsteile Altmaier macht Celler Bohrindustrie wenig Hoffnung
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Altmaier macht Celler Bohrindustrie wenig Hoffnung
16:36 17.08.2017
Von Gunther Meinrenken
Quelle: Oliver Knoblich
Celle

Celles Bundestagsabgeordneter Henning Otte (CDU) hatte seinen Parteifreund eingeladen, um sich ein Bild von der Leistungsfähigkeit des Kompetenzzentrums für Erdöl und Erdgas in Celle zu machen. "Wir haben hier nach Houston den zweitgrößten Standort weltweit", erläuterte Otte. Doch nach dem Verfall des Ölpreises und durch das Frackinggesetz sei der Standort in Gefahr. Die Industrie und damit auch Celle drohe zu verlieren, was über Jahrzehnte aufgebaut worden sei.

Schon bei der Vorstellung des Drilling Simulator Celle (DSC) ging dessen Direktor, Professor Dr. Joachim Oppelt, nicht nur auf den aktuellen Stand der Forschungseinrichtung ein, sondern betonte, dass der Bohrsimulator auch bei "kritischen" Geothermie-Bohrungen wertvolle Hilfestellung leisten könne. "Wir simulieren am Computer die Bohrprozesse und können den Leuten sagen, wie sie zu bohren haben. Wir wollen Bohrungen kostengünstiger und sicherer machen", so Oppelt.

Dann ging es ans Eingemachte. Thor Noevig, Vorsitzender von Geoenergy, zeigte die Folgen des Fracking-Gesetzes auf. "Wir haben allein in Niedersachsen 10.000 alte Bohrlöcher, doch die werden gerade verschlossen. Das bedeutet einen großen volkswirtschaftlichen Schaden. Wir könnten die alten Bohrlöcher viel besser für Geothermie nutzen", sagte Noevig, der der Politik vorwarf, sich bei der Energiewende einseitig auf Strom konzentriert zu haben. Dabei mache Wärme 50 Prozent des Energieverbrauchs aus und hier biete sich Geothermie mit einem Riesenpotenzial an.

Noevig machte in diesem Zusammenhang auf das Problem aufmerksam, dass künftig alle Bohrungen in größeren Tiefen vom Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE) geprüft werden müssten, um eine Beschädigung möglicher Endlager zu verhindern. "Diese Behörde ist noch gar nicht arbeitsfähig. So werden Bohrungen auf Jahre behindert", so Noevig.

Altmaier erwies sich als kompetenter Gesprächspartner, der die Wirtschaftsvertreter nicht mit Phrasen und leeren Versprechungen abspeiste. Beim Thema "Erneuerbare Energien" sei er sicher, dass künftig die Diskussion auf Felder verlegt werde, die bisher nicht im Blickpunkt standen. Das Fracking-Gesetz, an dessen Formulierung er selbst beteiligt gewesen sei, habe er sich auch anders vorgestellt, allerdings sei er überzeugt, dass die Verfahren so weit entwickelt werden könnten, dass sie keine Risiken mehr bergen. Doch Altmaier sagte auch einen Satz, der bei den Vertretern der Celler Erdölfirmen noch lange nachhallen dürfte. "Es gehört auch immer die Akzeptanz in der Bevölkerung dazu." Und viele Menschen hätten Angst um ihre Grundstücke und Häuser.