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Celle Ortsteile Archäologen entdecken Hinweise auf Altenceller Hafen
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Archäologen entdecken Hinweise auf Altenceller Hafen
16:35 18.07.2014
Von Michael Ende
So könnte der Hafen von "Tsellis" nahe der Getrudenkirche ausgesehen haben: Vogelperspektive von Süd über "Pottgarten" und Wassergraben (Aller-Altarm) mit Stegen und Handelsschiff sowie idealisierter, überhöhter Querschnitt durch die Hafensituation. Quelle: Zeichnungen: Cornelia Lohwasser
Celle

In der jüngsten Grabungskampagne im Rahmen des Forschungsprojektes „Stadtwüstung Altencelle“ der Uni Göttingen hat sich das Grabungsteam, aus drei Studenten Tabea Stolte, Maurus Hoppmann, Alex Sakuth und den freiwilligen Helfern Renate Blume, Dorothee Scharf, Horst Stellmann und Lutz Ellermann, mehrere Grabungsschnitte im nördlichen Dorfbereich vorgenommen. Einer davon lag wenige Meter östlich des von der Kirchengemeinde Altencelle neu errichteten Freialtars im so genannten „Pottgarten“. „Der Schnitt enthielt viele Schichtbefunde und flache Gruben“, sagt Archäologin Cornelia Lohwasser. Viel neuzeitliche, glasierte Keramik sei zutage gekommen: „Insgesamt etwa zwei Eimer, dazu viel Ziegelschutt. Besondere Funde waren Fragmente von Ofenkacheln und zahlreiche Fragmente tönerner Tabakspfeifen – ein Indiz, dass vor Ort intensiv geraucht wurde.“

Aus den Schichtbefunden wurde das Team nicht so recht schlau und entschied, an der östlichen Seite der Grabungsfläche einen schmalen Streifen möglichst tief auszuheben, um wenigstens den gewachsenen, anstehenden Boden zu erreichen. Dabei fiel wieder sehr viel Keramik an. „Wenn auch der gewachsene Boden wegen starken Wassereintritts nicht erreicht wurde, erbrachte dieses Vorgehen eine überraschende Erkenntnis“, so Lohwasser: „An der so gewonnenen, etwa 1,10 Meter hohen Profilwand zeichnete sich deutlich ein flacher, mit vielen unterschiedlichen Schwemmschichten verfüllter Graben ab. Der Graben wurde nicht bis zu seiner Sohle erfasst, vermutlich ist er noch etwas breiter als sechs Meter.“ Der Graben wurde zweifellos mit Allerwasser gespeist, sagt die Archäologin: „Einige stark vergangene, scheinbar in Reihe befindliche, kleine Pfostengruben könnten Überreste eines Steges sein, der in den Wassergraben reichte. Die Pfosten liegen rechtwinkelig zur mutmaßlichen Fließlinie.

Nur etwa zehn bis zwölf Meter westlich dieses Fundorts wurde kürzlich von der Kirchengemeinde Altencelle ein neuer Freialtar installiert. Er liegt am Rande des so genannten „Pottgartens“, der sich wie eine Terrasse zwischen Friedhof und den Allerwiesen einschiebt. Für die Verankerung des Freialtars wurden mit einem Bagger zwei kleine rechteckige Gruben mit einer Tiefe von etwa einem Meter angelegt. „Bis zur Sohle der Gruben lag eine humos-lehmige Kulturschicht vor. Das ist ungewöhnlich, normalerweise beträgt der Humusauftrag in Altencelle allenfalls 30 Zentimeter“, sagt Lohwasser. Die Terrasse könne nicht durch Lagerung von Friedhofsabfällen entstanden sein, denn aus dem Aushub wurden viele hochmittelalterliche Keramikscherben geborgen. Dies spreche für eine künstliche Anlage des „Pottgartens“ als Terrasse im Hochmittelalter.

Füge man nun beide Gegebenheiten zusammen, ergebe sich folgender Verdacht. „Die ungewöhnlichen Mächtigkeit des Erdauftrags im Pottgarten entstand durch absichtliche Aufplanierung. Vielleicht handelt es sich dabei um den Aushub des nur wenige Meter entfernt liegenden Grabens, oder das ursprünglich nach Ost abfallende Gelände des Pottgartens wurde einfach terrassiert. Sinn und Zweck der Erdarbeiten könnte die Anlage einer Art Hafenkai gewesen sein, der sich bis heute in vorliegender terrassenartiger Geländeform wiederspiegelt“, meint Lohwasser.

Für eine Hafensituation sprechen auch die oben beschriebenen, in Reihe stehenden Holzpfosten, die auf einen Steg zwischen dem Kai und dem Wassergraben hindeuten, vielleicht gab es auch mehrere. „Nach Aufgabe des Hafenbetriebes schwemmte der Graben teils natürlich zu und wurde zuletzt wohl auch mit Schutt aufgefüllt – aus dieser Auffüllung stammt die neuzeitliche Keramik, die zugleich den Verfüllungszeitraum datiert“, sagt die Archäologin. Weitere Argumente für den „Pottgarten“ als Hafen sei auch die räumliche Nähe zur planmäßig angelegten Besiedlung am „Steinweg“ und zum „Niemarkt“. „Vielleicht ist auch der Name Pott mit Boot gleichzusetzen – letzteres müssen aber Namensforscher entscheiden“, so Lohwasser. Um diesen Verdacht zu beweisen, bedarf es eigentlich weiterer Ausgrabungen: „Momentan ist noch völlig unklar, in welchem Ausmaß und in welchem Zeitrahmen solche erfolgen könnten. Vorerst ist die Anlage einiger Bohrprofile geplant, um eine ungefähre Vorstellung der Schichtabfolge durch den Bereich zu gewinnen – damit im besten Fall die Hafentheorie erhärtet werden kann.“