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Celle Ortsteile Bahnverkehr und Stromtrasse: Im Celler Nordkreis formiert sich Widerstand
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Bahnverkehr und Stromtrasse: Im Celler Nordkreis formiert sich Widerstand
20:31 02.11.2014
Alle Finger gingen hoch, als über den "Everser Appell" abgestimmt wurde.  Quelle: Joachim Gries
Eversen

Proppenvoll war der Saal im Gasthaus Niedersachsen, über 300 Menschen drängten sich am Freitagabend in dem Raum, auch die Bühne war mit Zuhörern besetzt, als der Bundestagsabgeordnete Henning Otte und sein Landtagskollege Ernst-Ingolf Angermann – beide CDU – über die Milliarden-Projekte Südlink- und Y-Trasse informierten. „Wir wollen mit Ihnen ins Gespräch kommen, damit wir wissen, wie man hier darüber denkt“, sagte Otte in seiner Einleitung.

Für die Südlink-Verbindung, die Windstrom von Schleswig-Holstein nach Süddeutschland transportieren soll, seien nach der ersten Präsentation über 3000 Einwendungen eingegangen. Danach seien über 100 neue Trassen präsentiert worden, „ein Chaos“, sagte Angermann. Eine der möglichen Verbindungen mit 65 Meter hohen Masten würde bei Becklingen in den Landkreis stoßen, Bergen östlich umrunden und nördlich von Winsen den Landkreis in westlicher Richtung wieder verlassen. Angermann verwies auf eine Expertenanhörung am 8. November in Hannover, danach werde man die Öffentlichkeit erneut informieren.

Mehr Brisanz enthielt die Präsentation von Henning Otte zur Y-Trasse. Eine der derzeit diskutieren sieben Varianten, eine zweispurige reine Gütertrasse, würde von Soltau aus neu gebaut werden. Sie würde östlich von Becklingen und Wardböhmen verlaufen, die K11 zwischen Dageförde und Nindorf überqueren, dann nach Süden schwenken und zwischen Bergen und Wohlde verlaufen. Weiter ginge es zwischen Salzmoor und Bollersen, an Katensen und Waldhof vorbei würde zwischen Eversen und Feuerschützenbostel die K25 gequert. Scheuen würde südlich umrundet, die bestehende Bahnstrecke bei Garßen überquert, dann würde die Trasse auf die bestehende OHE-Strecke Richtung Celler Bahnhof schwenken.

Bei der Anhörung zur Y-Trasse in Bergen seien Fragen zu den Tonnagen, zu Zahl und Länge der Züge sowie zu Nachtzügen gestellt worden. „Ich unterstelle mal, man hat uns bewusst keine Antwort gegeben“, sagte Otte. Vor 14 Tagen habe er bei einem parlamentarischen Abend Bahnchef Rüdiger Grube getroffen, sagte der Abgeordnete. Der habe ihm bestätigt, dass die Bahn eine favorisierte Trasse habe. Er habe sie aber nicht nennen wollen. „Da, wo am wenigsten Widerstand ist, wird gebaut“, habe ihm der Bahnchef gesagt. „Wenn Herr Grube zu seiner Entscheidungsfindung Widerstand braucht, soll er ihn haben“, sagte Otte und erhielt dafür Beifall. Der vom ihm vorgestellte Everser Appell, in dem sowohl die Südlink-Trasse Bergen als auch die Y-Trasse für Güterverkehr (SGV-Y) abgelehnt werden, fand die Zustimmung aller Anwesenden.

Vor der Veranstaltung hatte die SPD-Bundestagsabgeordnete Kirsten Lühmann ihren CDU-Kollegen kritisiert. „Zumindest Henning Otte müsste es besser wissen“, schrieb Lühmann. Er erwecke den Eindruck, dass die Deutsche Bahn nahezu alleine entscheiden könnte, welche Trasse gebaut wird. „Das ist sachlich falsch. Es entscheidet der Deutsche Bundestag – also auch Herr Otte.“ Lühmann sprach davon, dass es Angermann und Otte nicht um einen ordentlichen Dialogprozess gehe, sondern um politische Ränkespiele.

Sie halte die Celler Trasse für mehr als problematisch, sagte Lühmann, die verkehrspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion ist. In einer persönlichen Erklärung verwies sie auf das vereinbarte Dialogforums mit allen Kommunen, Interessengruppen, Initiativen und Bürgern, das voraussichtlich Anfang 2015 beginne.

Von Joachim Gries