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Celle Ortsteile „Berlin 21“: Vier Individualisten machen Jazz bei Wietfeldts
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile „Berlin 21“: Vier Individualisten machen Jazz bei Wietfeldts
15:58 10.11.2017
„Berlin 21“ gab ein umjubeltes Konzert in der ausverkauften Kartoffelscheune auf Hof Wietfeldt. Quelle: David Borghoff
Bennebostel

Offensichtlich kennt auch der in der Szene hoch geschätzte Schlagzeuger Zwingenberger die Problematik, dass anspruchsvoller Jazz es nicht leicht hat, sein Publikum zu finden. In Celle ist das kein Problem, zumindest dann nicht, wenn der Veranstalter Jürgen Wippich heißt. Dessen Reihe „Kultur Querbeet“ hat so viele Abonnenten, dass man alleine deshalb schon staunen darf. Aber an diesem Abend konnte man noch vielmehr über die Musik verblüfft sein.

Die Zuhörer erwartete ein Programm, dessen Stilistik kaum einzuordnen war. Die Art des Spiels der Mannen um Zwingenberger änderte sich fast von Stück zu Stück. Es gab zwar verbindende Elemente, aber als kennzeichnend für „Berlin 21“ erschien vor allem die Wandlungsfähigkeit. Zudem bildet diese Truppe eine Art musikalisches Kraftwerk, in dem durch die extrem unterschiedlichen Musiziertypen viel Reibung entsteht, aus der heraus vielfältigste Funken geschlagen werden können. Da wurde mal New Orleans Jazz mit arabischen Melodiebildungen kombiniert und mit „funky stile“ angereichert, dann Bebop oder Cool Jazz gespielt, aber auch mal ein so querständiger Boogie geboten, dass man kaum den Ohren traute. Der war nämlich im Fünfvierteltakt.

Da war Lionel Haas am Klavier ganz in seinem Element. Immer wenn dieser virtuose Vieltönespieler freie Hand hatte legte er richtig los, verlor allerdings leider immer wieder den Sinn fürs differenzierte, nicht immer nur laute und schnelle Spiel dabei. Wenn er sich denn mal in einem der wenigen ruhigen Stücke auf die wesentlichen Töne konzentrierte, war Haas‘ Spiel dafür umso beeindruckender.

Zwingenberger selbst fasziniert durch sein selbstverständlich erscheinendes Understatement. Er sitzt ganz entspannt da als sei sein musikalischer Job nur eine Nebensache. Dabei ist er in jedem Moment präsent, steuert vom Schlagzeug aus und hält die Truppe souverän zusammen. Und wenn er dann mal ein Solo spielt, wie in den beiden „Eisenbahn“-Stücken, dann staunt man umso mehr über diese dezente Art des Brillierens.

Gitarrist Tim Seiers Spiel kommt ähnlich herüber, jedoch hat man bei Seier noch mehr den Eindruck, dass er in seinem aufs Wesentliche reduzierten Musizieren ganz für sich ist. Wie unbeteiligt schaut er dabei in sich hinein.

Bleibt noch der Bassist Thomas Hoppe, der sich wie selbstverständlich eingliedert in die musikalischen Abläufe und ihnen immer wieder mal ganz besondere eigene Akzente verleiht. Ein starker Abend.

Von Reinald Hanke