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Celle Ortsteile Biogasanlage in Alvern genehmigt
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Biogasanlage in Alvern genehmigt
15:32 11.11.2010
Von Oliver Gatz
Südlich des Beedenbosteler Wegs in Alvern – ein paar Hundert Meter von den Wohnhäusern entfernt – wird demnächst eine Biogasanlage stehen. Die Stadt hat den Bauantrag eines Landwirtes genehmigt. Quelle: Peter Müller
Alvern

Wie in Altenhagen auch, sorgt in Alvern eine geplante Biogasanlage am Friedhof für Ärger. So mancher Anwohner fürchtet Geruchs- und Lärmbelästigungen sowie den Wertverlust seines Grundstückes. Einer von ihnen ist Jörg Bollermann. Er wohnt am Beedenbosteler Weg, rund 270 Meter von der geplanten Biogasanlage entfernt.

Bollermann hat sich Anfang August an die Stadtverwaltung gewandt und seine Bedenken schriftlich vorgebracht. Mit seinem Schreiben hoffte er, Einfluss auf das Vorhaben ausüben zu können, schlug einen Alternativ-Standort vor – vergeblich.

Mittlerweile hat die Stadt als Genehmigungsbehörde grünes Licht für das Projekt gegeben. Auch in Alvern handelt es sich um ein privilegiertes Bauvorhaben außerhalb von Ortschaften. Rechtsgrundlage ist der Paragraf 35 des Baugesetzbuches. Demnach ist ein Bauvorhaben im Außenbereich zulässig, wenn eine ausreichende Erschließung sichergestellt ist und es einem landwirtschaftlichen Betrieb sowie der energetischen Nutzung von Biomasse dient. Solche Anlagen müssen laut Gesetz an das öffentliche Versorgungsnetz angeschlossen werden und in einem „räumlich-funktionalen Zusammenhang mit dem Betrieb“ – also in dessen Nähe – stehen. Die Biomasse muss überwiegend aus dem Betrieb oder nahegelegenen Betrieben stammen. Außerdem darf je Hofstelle oder Betriebsstandort nur eine Anlage betrieben werden. Ferner darf die elektrische Leistung der Anlage nicht 0,5 Megawatt überschreiten.

„Einwendungen werden unter diesem Diktat geprüft“, betonte Celles Stadtplaner Wolfgang Schucht. Bei den Abständen von Standorten für Biogasanlagen zur Wohnbebauung hätten die Gerichte unterschiedliche Urteile gefällt. Einige würden einen Abstand von 50 Metern für vertretbar halten, andere fordern 400 bis 500 Meter und mehr. Also müsse man im Einzelfall prüfen, so der Stadtplaner.

Bei einigen Einwendungen sei der Stellenwert nicht besonders hoch, sagte Schucht. Als Beispiel nannte er ästhetische Aspekte wie beispielsweise ein verstellter freier Blick aufs Feld. „Wer aufs Dorf zieht, muss wissen, dass es da landwirtschaftliche Betätigung gibt – und damit muss er leben“, so Schucht.

Im Fall der Anlage in Alvern seinen Geruchs- und Lärmemissionen geprüft worden, sagte Schucht. „Die Grenzwerte werden eingehalten.“ Nachdem das Projekt genehmigt worden sei, werde auch Herr Bollermann demnächst eine Antwort auf seine Einwendung erhalten, kündigte der Stadtplaner an.

Angesichts des Wildwuchses von Biogasanlagen arbeitet die Stadt derzeit an der Änderung des Flächennutzungsplanes, um Vorrangflächen für solche Anlagen auszuweisen. Auch Niedersachsens Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) will den Bau von immer mehr Biogasanlagen stoppen. Er dringt darauf, dass Niedersachsen kurzfristig eine Bundesratsinitiative einbringt. Ziel ist es, die massive finanzielle Förderung von Biogasanlagen nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) drastisch zu kappen. Durch übermäßigen Anbau von Mais für die Biogaserzeugung drohten Probleme für die Artenvielfalt, den Bodenschutz und die Gewässergüte, hieß es.