Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Celle Ortsteile Böse Überraschung für Eltern an Erich-Kästner-Schule in Celle
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Böse Überraschung für Eltern an Erich-Kästner-Schule in Celle
17:05 07.09.2016
Von Gunther Meinrenken
Garßen

In einem Brief hat Viering die Eltern über die neusten Entwicklungen informiert. Demnach sei ihm vom Schulamtsleiter des Landkreises, Reinhard Toboll, am 31. August eröffnet worden, dass aus Brandschutzgründen der bisher nicht sanierte Teil des Schulgebäudes geräumt werden müsse. „Das bedeutet eine erhebliche Einschränkung des Schulbetriebs. Zwar passen von den Quadratmeterzahlen alle vier betroffenen Klassen in den sanierten Trakt. Aber unser Werkraum, Musikraum, der Bandübungsraum, der Kunstraum, der Textilraum und der Psychomotorikraum stehen uns dann nicht mehr zur Verfügung“, kritisiert Viering die Entscheidung.

Der Schulleiter befürchtet außerdem, dass der Unterricht durch Baulärm massiv gestört werden könnte. Hintergrund: Die Lebenshilfe, die den Schulkomplex kaufen möchte, will so schnell wie möglich mit den Umbauarbeiten beginnen. Bereits im Sommer kommenden Jahres soll der Kindergarten der Behinderteneinrichtung nach Garßen umziehen.

Die angekündigte Räumung hat allerdings auch eine sehr persönliche Komponente. In dem betroffenen Gebäudeteil hat Lehrerin Iris Nehrenberg ihr Arbeitszimmer. Das wäre nicht weiter erwähnenswert, doch Nehrenberg, die seit 30 Jahren an der Erich-Kästner-Schule unterrichtet, ist seit 20 Jahren blind. „Mein Arbeitszimmer ist speziell auf meine Bedürfnisse ausgerichtet. Durch den kurzfristigen Wegfall des Raumes, der mir jetzt zur Verfügung steht, wird mein bisheriger Unterricht für die Schüler nicht nur der Erich-Kästner-Schule, sondern auch für die Grundschule Garßen wegfallen müssen“, so Nehrenberg.

Schulamtsleiter Toboll stellt die Angelegenheit anders dar. Nach seinen Ausführungen habe Landrat Klaus Wiswe der Erich-Kästner-Schule bereits im März 2015 schriftlich mitgeteilt, dass aus Brandschutzgründen der Trakt Zug um Zug geräumt werden müsse. „Darauf haben wir auch in Sitzungen immer wieder hingewiesen.“ Der Gebäudeteil habe eben wegen der nicht erfüllten Brandschutzauflagen nur noch eine Betriebserlaubnis bis zum 31. Dezember dieses Jahres. „Wäre die Schule Mitte 2017 verkauft worden, hätten wir den Schulbetrieb bestimmt noch irgendwie mit einer Ausnahmeregelung organieren können. Bis 2018 geht das nicht“, so Toboll. Und eine Sanierung würde etwa 800.000 Euro kosten. „Das Geld nehmen wir nicht mehr in die Hand, wenn doch die Immobilie verkauft werden soll.“

Heute, so Toboll, werde bei einem Ortstermin noch einmal die Situation der Fachräume erörtert. Dabei soll auch eine Lösung für die blinde Lehrerin Nehrenberg gesucht werden. „Die Bauarbeiten der Lebenshilfe werden wohl im März beginnen und dann auch so abgewickelt, dass der Schulbetrieb möglichst wenig gestört wird“, sagt Toboll. Noch sei kein Kaufvertrag mit der Lebenshilfe unterschrieben worden. Insofern gebe es seines Wissens auch noch keinen Bauantrag und keine Ausschreibung.

Betroffen von der Räumung ist auch die Grundschule Garßen. Erst mit Beginn dieses Schuljahres hatte man dort von der benachbarten Förderschule zwei Klassenräume zur Verfügung gestellt bekommen, weil die Grundschule den erhöhten Raumbedarf nicht mehr decken kann. Vier Wochen später heißt es „Kommando zurück“.

Stadtsprecher Wolfgang Fischer: „Der Leiter der Grundschule war wohl von der kurzfristigen Mitteilung des Landkreises genauso überrascht wie wir. Wir sind davon ausgegangen, dass die Nutzung durch die Verlängerung des Schulbetriebs der Erich-Kästner-Schule um ein weiteres Schuljahr hinausgeschoben wurde. Danach sollte eine Vereinbarung mit der Lebenshilfe für die weitere Nutzung erfolgen. Für Ende September haben wir deswegen schon einen Gesprächstermin vereinbart.“

Immerhin: Die Grundschule darf nach einem Gespräch mit dem Landkreis erst einmal bis Ende Dezember die Ausweichräume nutzen. Trotzdem muss die Stadt nun kurzfristig nach einer anderen Lösung suchen. „Eine Nutzung der angrenzenden ehemaligen Wohnung wäre kostenmäßig nicht vertretbar und auch nicht kurzfristig realisierbar. Vielleicht können wir Räume der angrenzenden Kirchengemeinde anmieten. Die Aufstellung eines Schulcontainers kostet viel Geld und der Platz dürfte dafür auch nicht ausreichen“, so Fischer.