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Celle Ortsteile CZ-Artikel verhilft zu Wiedersehen nach 60 Jahren
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile CZ-Artikel verhilft zu Wiedersehen nach 60 Jahren
14:11 08.10.2017
Quelle: Michael Schäfer
Eschede

Kaufmann wollte Hans-Joachim Böker in den 1960er Jahren werden. Den Escheder verschlug es für seine Lehre nach Beedenbostel. Von 1953 bis 56 lernte er beim Gemischtwarenhändler Löffler und Co. "Vom Kragenknopf bis zum Salzhering hatten wir alles", erinnert sich Böker. Während seiner dreijährigen Lehre kümmerte er sich nicht nur um die Bedürfnisse der Kunden, sondern auch um die Kinder der Kaufmannsfamilie. "Die hingen an mir", sagt der heute 82-Jährige lächelnd.

Vor allem zu den beiden ältesten Kindern, Renate und Hans Georg, baute Böker eine enge Verbindung auf. "Renate hat sich gerne etwas vorlesen lassen", erzählt der gebürtige Hannoveraner. "Und Hans Georg habe ich am Wochenende mal auf meinem Gepäckträger mit dem Fahrrad nach Eschede mitgenommen." Unter der Woche wohnte Böker in einem Dachzimmer in Beedenbostel, doch am Wochenende zog es ihn in seinen knapp zwölf Kilometer entfernten Heimatort zu seiner Familie.

Die Kinder spielten im Gemischtwarenladen und Böker kümmerte sich mit um sie. "Wenn sie das Bedürfnis hatten, dann kamen die beiden ins Geschäft", sagt er. Es habe sich einfach so entwickelt, dass er zu einer Bezugsperson der Kinder wurde: "So bin ich halt gestrickt, ich helfe einfach."

Seine Lehre schloss Böker mit Auszeichnung ab. "Das hat mir später sehr geholfen", sagt er rückblickend. Der Kontakt zu seinen Schützlingen brach nach seinem Weggang aus Beedenbostel ab. Böker fing bei einem Architekten in einem großen Unternehmen in Celle an. Das währte jedoch nicht lange, er wechselte als Buchhalter zu Rheinmetall in Unterlüß. Schließlich arbeitete Böker bei der Nord/LB in Hannover, bis er 1996 vorzeitig in den Ruhestand ging.

Die Kinder seines ehemaligen Chefs hat Böker in all den Jahrzehnten nicht vergessen. Doch erst ein Porträt über den Escheder, das im vergangenen Jahr in der Celleschen Zeitung erschien, stellte die Verbindung wieder her. Hans Georg, der inzwischen in Hannover wohnt und als Blindenlehrer arbeitet, erhielt durch seine Schwiegereltern aus Celle ein Exemplar des Porträts. "Einfach nur, weil dort etwas über Beedenbostel stand", beschreibt Böker den Zufall.

Hans Georg erkannte Böker dank des Artikels sofort und griff zum Telefon. "Ich habe mich sehr gefreut", erzählt der gelernte Kaufmann. "Die Familie hat auch nach meiner Lehre von mir gesprochen." Hans Georg war etwa sechs Jahre als, als Böker seine Lehre beendete. Mit dem Zug besuchten zuerst er und seine Frau den ehemaligen Lehrling in Eschede – ein Wiedersehen nach mehr als 60 Jahren. Daraufhin kam ein Treffen mit den Schwestern Ulrike und Annette zustande. Renate war inzwischen verstorben, der Drittälteste, Rolf, war verhindert. "Ich habe ihnen gleich das Du angeboten. Ich kursierte noch unter dem Namen Böker, aber jetzt bin ich der Jochen", erzählt der vierfache Vater und achtfache Großvater.

"Ich bin dankbar, dass ich das mit 82 Jahren noch erleben kann", freut sich Böker. Mit Hans Georg telefoniert er regelmäßig, dieser kann sich im Gegensatz zu seinen jüngeren Schwestern noch gut an den jungen Kaufmannslehrling erinnern. Die wiedergewonnene Verbindung zu seinen Schützlingen aus der Lehrzeit ist Böker wichtig. "Ich möchte die Beziehung nicht mehr abbrechen lassen."

Von Amelie Thiemann