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Celle Ortsteile Celle will Altstadt-Vorschriften entrümpeln
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Celle will Altstadt-Vorschriften entrümpeln
20:53 03.02.2014
Von Michael Ende
Quelle: nicht zugewiesen
Celle

Als modernes, auf bessere Abfotografierbarkeit abzielendes Kunstprodukt gilt Puristen die quietschbunte Farbigkeit der ehemals größtenteils grauen Celler Fachwerkhäuser. Damit es im Touristen-Mekka der Altstadt nicht allzu bunt zugeht, hat die Stadt eine Gestaltungssatzung erlassen, die detailverliebt regelt, wie Häuser in der Altstadt aussehen dürfen und wie nicht. Es geht um die schöne Fassade, denn hinter den schicken Fachwerk-Außenwänden sind viele historische Gebäude längst "entkernt" und bis zur Unkenntlichkeit modernisiert.

Mit der vom Rat 1978 beschlossenen Gestaltungssatzung sollte der Ruf als Fachwerkstadt gewissermaßen zementiert werden. So heißt es dort: "Bauliche Maßnahmen an Fachwerkgebäuden oder Neubauten im Anschluss an Abbrüche von Fachwerkbauten sind in Fachwerkbauweise auszuführen." Und: "Die Fenster der Fachwerkbauten müssen durch mindestens 2,5 Zentimeter breite Sprossen in Flächen unterteilt werden, deren größte Seitenlänge im Lichten 45 Zentimeter nicht überschreitet. Die Fensterrahmen müssen bündig mit der Fachwerkaußenkante eingebaut werden. Die Fensterrahmen und –sprossen der Fachwerkbauten müssen weiß sein." Schaufenster sind erlaubt - ausnahmsweise.

Bereits 2010 hatte die Rats-CDU eine Überarbeitung der Gestaltungssatzung gefordert. Einen Beschluss hierzu gab es jedoch nicht. Jetzt haben die Grünen beantragt, die Vorschriften zu durchforsten und zu lockern. Die Verwaltung schlägt vor, diesen Antrag für erledigt zu erklären und versichert ihrerseits, eine Modernisierung des Reglements im Sinn zu haben. "Die Architekturvorstellung von 1978, was sich als Neubau in die Altstadt einfügt ist überholt", heißt es aus dem Rathaus. Der Schwerpunkt liege bisher zwar auf Fachwerkbauten, es gebe jedoch auch Bestandsbauten, die gar kein Fachwerk seien und derzeit "nicht geregelt" werden könnten.

Künftig solle es bei der Beurteilung neuer Bauvorhaben mehr Ermessensspielraum geben, so der Vorschlag der Verwaltung: "Gestaltung und Proportionen der Gebäude müssen sich einfügen." Dadurch sollten sich zukünftig mehr Gestaltungsmöglichkeiten eröffnen. Es gelte auch, neue Formen der Reklame zu legalisieren: "Werbeformen, die es 1978 noch nicht gab oder die unerschwinglich waren wie Beamer, großformatige Transparente oder Klebefolien."

Die Verwaltung schlägt vor, im Verlauf dieses Frühjahrs den Aufstellungsbeschluss für das formale Verfahren einer Vorschriftenänderung fassen zu lassen: "In den Beteiligungsschritten hat die Öffentlichkeit die Gelegenheit, Anregungen vorzulegen." Beraten werden soll das weitere Vorgehen in der Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung und Bauen, die am Donnerstag, 6. Februar, um 17 Uhr im Neuen Rathaus beginnt. Michael Ende