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Celle Ortsteile Celler Azubis richten ganz schön was an
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Celler Azubis richten ganz schön was an
17:26 19.06.2017
Von Christian Link
Kellnerin Saskia Lutter (rechts, Foto links) richtet die Teller an, nachdem sich Sabine Richardsonund Nico Strehlau (Foto rechts) zuvor um die Zubereitung der Drei-Gänge-Menüs gekümmert haben. Quelle: Christian Link
Altenhagen

Gegen die Prüfungskommission des IHK Celle sollte man besser kein Poker spielen. "So wie die Prüfer geguckt haben, konnte man nichts daraus lesen. Die Gesichter haben nichts verraten", sagt Nico Strehlau. Der Koch-Azubi aus dem Landhotel Bauernwald in Müden hat gerade das wichtigste Drei-Gänge-Menü seiner noch jungen Karriere gekocht. Aber ob er dabei alles richtig gemacht hat, bleibt ungewiss. "Ich muss jetzt eine Woche warten, aber ich habe kein schlechtes Gefühl", sagt der 23-Jährige.

Was Strehlau beim IHK-Prüfungsessen in der Albrecht-Thaer-Schule aufgetischt hat, kann sich sehen lassen: Eine kalte Tomate-Paprika-Suppe mit Basilikum-Mozzarella-Spieß als Vorspeise. Geschmorte Kalbshaxe mit Mangold sowie Serviettenknödeln als Hauptgericht. Und zum Dessert ein Aprikosen-Quark-Mousse. "Ich habe das einmal an der Arbeit und einmal zu Hause gekocht, damit ich einfach mal die Abläufe einüben kann", sagt der Hermannsburger und ist mit seiner heutigen Leistung zufrieden. "Nur an meinen Mangold habe ich keinen Geschmack gekriegt", ärgert sich der Azubi.

Sofern mit der Freisprechung nichts schief geht, wird Strehlau demnächst in der Jugendherberge in Müden kochen. Und wenn man Gertrud Peest glaubt, können sich die Gäste darauf freuen. "Der Mangold hatte eine leichte Schärfe und der etwas pfeffrige Nachgeschmack war sehr gut", sagt Peest und ist vor allem mit den ersten beiden Gängen zufrieden. "Ich persönlich fand die Suppe am leckersten – aber da lege ich auch am meisten Wert drauf", meint die Altenhagenerin.

Für die Endnote des angehenden Kochs hat das Geschmacksurteil von Peest allerdings keine Bedeutung. "Die Gäste sind nur Statisten", verrät Prüferin Angela Kohlei. Die Tagesleistung der angehenden Köche, Fachkräfte im Gastgewerbe sowie Hotel- und Restaurantfachleute wird ausschließlich von fünf aufmerksamen Berufsschullehrern bestimmt. "Das fängt beim persönlichen Erscheinungsbild an und geht dann über Zusammenarbeit, das Eindecken des Tischs bis zum englischen Service und der Kommunikation mit dem Gast", sagt Kohlei.

Vor allem bei der Begegnung mit dem Gast kann es zu kritischen Szenen kommen. "Es ist wichtig, dass die Prüflinge trotz aller Aufregung noch die Serviceregeln umsetzen können", sagt Kohlei. Beim englischen Service, bei dem die Teller am Tisch angerichtet werden, sind eine ruhige Hand und Konzentration gefragt, "denn das Essen soll ja beim Verzehr noch warm sein".

Der Stressfaktor hält sich bei den gastronomieerfahrenen Azubis derweil in Grenzen. "Ein bisschen aufgeregt bin ich schon, aber ich komme aus einem guten Haus. Wir haben viele Veranstaltungen, da ist so etwas wie heute ganz normal", sagt Saskia Lutter, die im Ringhotel Celler Tor gelernt hat. Auf das Tranchieren einer Poularde (eine der Prüfungsaufgaben) wurde die 20-Jährige aus Wietzendorf an ihrer Ausbildungsstätte gut vorbereitet. "Ich durfte im ersten Ausbildungsjahr sogar noch zwei Hummer tranchieren. Die Möglichkeit hat nicht jeder", sagt sie.

"Man darf es sich nicht anmerken lassen, wenn man nervös ist. Das wirkt sich auch auf die Gäste aus und das will keiner", sagt Jan Reinhard. Mit seinen 21 Jahren strahlt der Bröckeler, der im Restaurant Mühlengrund in Wienhausen gelernt hat und dort auch übernommen wird, schon jede Menge Coolness aus. "Ich war relativ zufrieden", kommentiert er seine Tagesleistung. Wie gut ihn die Prüfer sehen, erfährt er morgen bei der Freisprechungsfeier. Insgesamt 36 Azubis werden dann ein Abschlusszeugnis erhalten.