Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Celle Ortsteile Celler Bürger wehren sich gegen neue Vorschriften
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Celler Bürger wehren sich gegen neue Vorschriften
20:16 11.11.2014
Von Michael Ende
Fotos Musikerviertel Beethovenstraße Quelle: Benjamin Westhoff
Klein Hehlen

KLEIN HEHLEN. „Ich bleibe dabei: Ich finde bunt gut.“ Das sagte am Montag im Klein Hehlener Schützenhaus ein Bürger nach fast zweistündiger Diskussion über die gestalterische Zukunft des „Musikerviertels“ - und die große Mehrheit der Versammlung war seiner Ansicht. Sie ließ sich von Stadtbaurat Ulrich Kinder und Stadtplaner Wolfgang Schucht nicht davon überzeugen, dass eine Gestaltungssatzung für das ehemals von Angehörigen der britischen Streitkräfte bewohnte Areal mehr Chancen eröffne als verbaue.

Zuvor hatte die Verwaltung mitgeteilt, dass sie nicht im ganzen Gebiet rigide mitgestalten wolle. Lediglich zwischen Beethoven- und Mozartstraße wolle man die typischen Gestaltungsformen erhalten. Während nördlich davon bereits individuelle Veränderungen an Häusern vorgenommen worden seien, sollte es in der ehemaligen Briten-Siedlung keine „kunterbunten Häuserreihen“ geben. Geschützt werden sollte hier ein „sehr ruhiges Bild“ mit „sehr einheitlicher Optik“. Mittels einer Gestaltungssatzung könne man auch den vielfach gewünschten Bau von Dachgauben einfacher ermöglichen, stellte Kinder in Aussicht. Es gehe darum, die „Qualität“ des Viertels zu erhalten, betonte Schucht: „Es geht nicht um Einheitlichkeit.“ Im Verwaltungsentwurf wird allerdings die „einheitliche Farbgestaltung der Fassaden sowie Fassadenelementen wie Vordächern und in der Einheitlichkeit der Dächer“ als besonders schützenswert charakterisiert.

Bei den frischgebackenen Hausbesitzern kam das schlecht an. „Wir haben im Dezember 2013 ein Haus in der Beethovenstraße gekauft und hatten uns vorgestellt, dass wir dort machen können, was wir wollen - es stört mich, wenn mich die Stadt mit neuen Vorschriften gängeln will“, sagte ein Hausbesitzer. Ein anderer fragte, warum die Stadt ausgerechnet im „Musikerviertel“ die Gestaltungs-Töne dirigieren wolle: „In anderen Reihenhausgebieten sind die Häuser auch ganz individuell und spiegeln den Geschmack der Leute wider - was ist daran schlecht? Die Menschen dort fühlen sich wohl - das wollen wir auch“, sagte ein anderer. Kinder antwortete darauf: „Stadt ist vielfältig - Stadt ist nicht einheitlich. Vielfalt gibt es in Celle in ganz vielen Ecken, aber in diesem Quartier sollte nicht alles möglich sein.“

65 erboste Hausbesitzer, die mit ihren Immobilien machen wollen, was sie wollen, hatten sich auf einer Unterschriftenliste verewigt, die an Klein Hehlens Ortsbürgermeister Klaus Didschies (CDU) überreicht wurde. Der Politiker erinnerte daran, dass sich die Politik im städtischen Bauausschuss geweigert hatte, ohne grünes Licht der betroffenen Bürger für die von der Verwaltung ins Spiel gebrachte Gestaltungssatzung zu stimmen: „Im Rat sind wir uns einig: Wenn 100 Prozent der Hauseigentümer keine Satzung wollen, dann kann sich die Verwaltung die Arbeit sparen.“ Bei einer Probeabstimmung waren nur zwei der anwesenden 13 Bürger aus dem südlichen Bereich für eine Satzung, aus dem Areal nördlich davon nur einer von 14. „Jetzt bin ich relativ ratlos“, sagte Kinder: „Wir nehmen mit, dass jeder tun möchte, was er will. Das muss ich erst mal sacken lassen.“

Dafür hat Kinder ein paar Tage Zeit. Am Donnerstag, 20. November, wird sich der städtische Bauausschuss in seiner Sitzung, die um 17 Uhr im Neuen Rathaus beginnt, mit den neuen Regeln für das „Musikerviertel“ beschäftigen. Didschies: „Entweder gibt es dann die Empfehlung, die Sache voranzutreiben, oder die Verwaltung teilt mit, dass sich das Thema erledigt hat.“