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Celle Ortsteile Celler Grundschule schafft Noten ab
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Celler Grundschule schafft Noten ab
18:07 19.12.2016
Grundschule Hehlentor Quelle: Peter Müller (Archiv)
Celle

Bereits seit anderthalb Jahren diskutieren Schulleitung, Kollegium und Elternschaft den Sinn und Unsinn von Schulnoten. Den Stein ins Rollen brachte das jahrgangsübergreifende Lernen, das seit 2010 an der Grundschule Hehlentor angeboten wird. Dabei sitzen Kinder der Klassen 1 bis 4 in einem Raum und erhalten von der Lehrerin individuell zugeschnittene Aufgabe. „Jedes Kind bekommt die Zeit, die es dafür benötigt“, erklärt Cornelia Temmler. Mitunter löst ein Schüler der zweiten Klasse schon in Deutsch Aufgaben für die dritte Klasse und tüftelt in Mathe noch an Übungen für die erste Klasse. „Dazu passt es jedoch nicht mehr, gemeinsam mit der Klasse eine Arbeit zu schreiben“, so Temmler.

Statt Klausuren schreibt nun jeder Schüler für sich Lernzielkontrollen. „Jedes Kind soll nur die eigenen Leistungen im Blick haben und sich fragen, wo es am Schuljahresbeginn stand und wo es jetzt steht“, erklärt Schulleiter Detlev Soetbeer. Bei der Erprobung dieser Lernform habe er eine große Gelassenheit beobachtet. „Die, die sonst nicht mehr mithalten konnten, haben wieder Freude an der Schule entwickelt“, betont Soetbeer. Und diese Motivation sei besonders in den ersten vier Schuljahren ausschlaggebend. „Wissenschaftliche Studien belegen, dass es bei Schullaufbahnen besonders auf den Anfang ankommt, und dafür wollen wir die Basis legen.“

Mittlerweile lernt die Hälfte der Schüler jahrgangsübergreifend in allen Fächern außer in Englisch und in Sport. Im Sommer erhielten diese Kinder zur Probe noch zwei Zeugnisse: eines mit Noten und eines mit Kompetenzrastern. Doch auf Dauer brauche man an der Schule einen gemeinsamen Überbau, so Soetbeer, der 80 Prozent des Kollegiums hinter sich sieht.

Um die Eltern mitzuziehen, organisierte die Schulleitung eine Podiumsdiskussion und den Vortrag „Die Not mit den Noten“ von Bildungsforscher Hans Brügelmann. Auch die Eltern brachten sich ein und führten eine Umfrage durch, bei der die Hälfte der Eltern für die Abschaffung der Noten stimmte und die Hälfte dagegen. „Die Teilnehmerquote von 80 Prozent zeigt, wie groß das Interesse am Thema ist“, sagt Schulelternrat Axel Müller. „Die Umstellung wird schwer werden, da es um ein Wertesystem geht, das über Jahrzehnte verankert ist. Das ist wie bei der Euro-Umstellung. In vielen Jahren noch werden Eltern umrechnen.“ Doch Müller ist zuversichtlich, da kein gezieltes Klausurlernen mehr nötig sei: „Mit dem neuen System lohnt sich abschreiben nicht mehr, und die Bewertung der Lehrer wird transparenter.“

Von Dagny Rößler