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Celle Ortsteile Celler Kaserne Hohe Wende wird Flüchtlingslager
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Celler Kaserne Hohe Wende wird Flüchtlingslager
19:21 14.10.2015
Von Michael Ende
Die Stadt Celle will in der leer stehenden Kaserne an der Hohen Wende selbst eine Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge betreiben. Quelle: Peter Müller (Archiv)
Celle

"Uns ist es in Scheuen zu kalt!" Das haben laut Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende (SPD) Flüchtlinge skandiert, die am Montag von dem Neuen Celler Rathaus gegen ihre Unterbringung in Zelten protestiert hatten. Bei Mende liefen sie damit offene Türen ein, denn für ihn ist die Vorstellung, dass Menschen bei Minustemperaturen in dunklen Zelten campieren müssen, schwer erträglich: "Wenn ich die Erstaufnahmeeinrichtung in Scheuen betreiben würde, dann hätte ich in den vergangenen Wochen alles dafür getan, dass die Zelte dort abgebaut werden. So kann man keine Frauen und Kinder unterbringen." Nun wolle sich die Stadt selbst um eine menschenwürdige Unterbringung kümmern – in der leer stehenden Kaserne an der Hohen Wende. Mende: "Uns vor Ort fällt es leichter, das zu organisieren als Land oder Bund."

In Anbetracht des bevorstehenden Winters werde sich die Situation der Unterbringung deutlich verschärfen, so Mende. Das Land Niedersachsen schließe einen Unterbringungsnotstand nicht mehr aus: "Seitens des Landes gibt es nun das Angebot, dass Kommunen die Erstunterbringung in Notunterkünften im staatlichen Auftrag gegen eine kostendeckende Erstattung übernehmen. Zugleich sollen dann die Kommunen bei der späteren Verteilung von Flüchtlingen bevorzugt werden. Damit wird das ehrenamtliche Engagement in der Stadt gestärkt und kann nachhaltig wirken."

Die Kaserne an der Hohen Wende sei teilweise für die Unterbringung von Menschen geeignet, so Mende: "Gerade im nordwestlichen Bereich stehen direkt an der Straße Hohe Wende ehemalige Mannschaftsunterkünfte leer. Diese mehrgeschossigen Gebäude haben zumindest das Potenzial, Flüchtlingen eine Notunterkunft zu bieten. Bei drei Blocks muss man nicht viel machen, einer müsste aufwendiger in Schuss gebracht werden. Für die Versorgung könnte man die Großküche der ehemaligen Offiziersmesse nutzen." Eine erste Besichtigung mit dem Land Niedersachsen habe bereits im September stattgefunden. Abschließende Ergebnisse zur weiteren Verwendung liegen immer noch nicht vor. Mende: "Das muss schneller gehen."

Mende geht davon aus, dass in städtischer Regie die notwendigen Entscheidungen rascher getroffen werden können: "Hierzu werden kurzfristig Gespräche mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben als Grundstückseigentümerin und dem Land Niedersachsen über Konditionen, weitere Inhalte und die Koordinierung geführt. Nach den ersten Aussagen steht fest, dass die Kosten der Herrichtung der Hohen Wende für eine Notaufnahme vom Bund getragen werden und für jeden Flüchtling ein Tagessatz von 45 Euro als Abschlag gezahlt wird."

Die Unterbringung von Flüchtlingen tangiere die geplante Errichtung des Bauhofes auf dem Kasernengelände nicht direkt, so Mende: "Beide Bereiche lägen benachbart nebeneinander. Mit dem beabsichtigten Projekt des Campus Hohe Wende lassen sich deutliche Synergieeffekte erzielen. Neben den bereits diskutierten Bildungseinrichtungen sollen weitere hinzutreten in Form von Ausbildung und Qualifizierung der Flüchtlinge in Kooperation mit VHS, Berufsschulen, IHK, Handwerrkskammer und anderen örtlichen Akteuren." Mit diesem Gesamtpaket wäre auch die Konversion der ehemaligen britischen Kaserne auf einem guten Weg der Nachnutzung, so der Oberbürgermeister.