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Celle Ortsteile Celler Kirchen beklagen Mitgliederschwund
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Celler Kirchen beklagen Mitgliederschwund
18:17 04.08.2017
Von Gunther Meinrenken
Auch die christlichen Kirchen in Celle leiden unter Austritten ihrer Mitglieder. Volle Gotteshäuser gibt es immer seltener. Quelle: Jens Schulze
Celle

Nach Angaben des Kirchenkreises verringerte sich die Anzahl der evangelischen Kirchenmitglieder relativ konstant von 82.062 im Jahr 2013 auf 76.344 in diesem Jahr, Stichtag jeweils 30. Juni. Also ein Rückgang um 5700 in nur vier Jahren.

Bei den Katholiken sieht die Entwicklung etwas freundlicher aus. Zahlen lagen aktuell allerdings nur für die Gemeinde St. Ludwig vor. Dort hatte man 2016 8113 Mitglieder, 2013 waren es 8196. Das ergibt nur einen leichten Rückgang um 83 Kirchenmitglieder. Erklärung: "Die Situation wird bei uns durch Zuzüge entschärft, außerdem geht die Zahl der Austritte eher zurück", sagt Günther Birken, Pfarrer der Sühnekirche vom Kostbaren Blut in Bergen und stellvertretender Dechant des Dekanats Celle.

Hauptsächliche Gründe für den Mitgliederschwund sind zum einen der demografische Wandel. Es sterben einfach mehr Kirchenmitglieder, als geboren, beziehungsweise getauft werden. Wichtiger: Viele Menschen kehren der Institution Kirche den Rücken. Sei es wegen Skandalen oder wegen der Kirchensteuer.

Doch es gibt auch tieferliegende Ursachen. Uwe Schmidt-Seffers, stellvertretender Superintendent, hat eine gewisse Entfremdung der Menschen von der Kirche ausgemacht. "Es gibt einen deutlichen Zusammenhang zwischen der Teilnahme am kirchlichen Leben und der Selbsteinschätzung, welche Rolle der eigene Glaube im Leben spielt. Wo Kirche und Kirchgang nicht mehr erlebt und praktiziert werden, verflüchtigt sich auch der Glaube, was wiederum zur verstärkten Distanz zur Kirche führt. Im wahrsten Sinne ein Teufelskreislauf", sagt Schmidt-Seffers, der außerdem ein gesellschaftliches Klima ausgemacht hat, "in dem Religion allgemein unter Verdacht steht".

Wie Birken feststellt, zerfließen für die Menschen zusehends die Grenzen zwischen den Konfessionen. "Besonders in den ländlichen Gebieten des Dekanats, wo manche große evangelische Gemeinde etwas anbieten kann, zu dem die katholische Gemeinde ob ihrer Größe nicht mehr fähig ist wie etwa Kinder- und Jugendgruppen, entschließen sich einige Eltern, aus der katholischen Gemeinde auszutreten und mit ihren Kindern in die evangelische Gemeinde einzutreten." Birken ist dennoch nicht pessimistisch gestimmt. "Die große Zahl an Menschen, die in der Kirche bleiben, zeigt, dass sie noch etwas von der Kirche erwarten und sich der Kirche zugehörig fühlen. Kirche ist ja mehr als ein Verein."

Positiv bewerten Birken, als auch Schmidt-Seffers, das große Engagement von Kirchenmitgliedern, etwa bei der Flüchtlingskrise und auch innerhalb der Kirche selbst. Gleichwohl sei klar, dass sich Kirche verändern müsse. All die Angebote, von Meditation bis hin zu Pilgerwanderungen, werde "keine Trendwende einleiten können, solange sich das gesellschaftliche Klima im Blick auf die Religion an sich nicht verändert. Wenn wir aber von einer Betreuungskirche zu einer Beteiligungskirche werden, dann ist mir um meine Kirche nicht bange", sagt Schmidt-Seffers.