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Celle Ortsteile Celler Paar saniert Alte Ratsbadestube
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Celler Paar saniert Alte Ratsbadestube
18:14 06.01.2017
Annette Dannhus und Andreas Behrens mit einem Teil der historischen Wasserkunst, die sie in der alten Ratsbadestube in der Schuhstraße gefunden haben. Quelle: Lothar H. Bluhm
Celle

Gerade haben die beiden Eigentümer die Fassade ihres Hauses sanieren lassen und mit Schriften und Symbolen nach historischem Vorbild gestaltet. „Ratsbadestube“ steht nun in großen Lettern auf einem Balken und verdeutlicht damit einen Teil der Geschichte des Hauses. „Die Fassade zur Straßenseite hin ist zu 70 Prozent erneuert und viele schadhafte Balken mussten ausgetauscht werden“, sagt Behrens. Innen sind zwei Brandschutztüren eingebaut und vernetzte Brandmelder installiert worden. „Im Haus hatten wir ein halbes Jahr eine Baustelle. Heute wissen wir: Man ist niemals ganz fertig. Eine Maßnahme löst die andere ab. Wichtig ist, Prioritäten zu setzen.“

Es ist oft schwierig, fundierte Fakten zu Baudenkmalen zu bekommen: Was weiß man über das Haus, welcher Zustand ist nachgewiesen, welche Belege gibt es? Bei diesem Haus zeigen Fotos aus verschiedenen Zeiten die überlieferten Zustände und Details. „An einigen Stellen gibt es noch Dinge, die eindeutig sind: Zum Beispiel der Harnbeschauer“, sagt der städtische Denkmalpfleger Gisbert Knipscheer. „Gerade das Relief des Harnbeschauers ist noch sehr gut erhalten und historisch eindeutig zuzuordnen.“ Jetzt hat das Haus wieder sein Bild und man kann in der Fassade lesen, wie Knipscheer zu der gelungenen Fassadengestaltung feststellt.

1996 haben Behrens und Dannhus das Haus gekauft und im Laufe der Zeit saniert. Alte Kachelreste, ein Brunnen auf dem Nachbarhof und Teile der Wasserkunst werden auch heute noch aufbewahrt. Fragmente finden sich immer wieder im Erdreich. „Man braucht nur etwas tiefer zu buddeln“, beschreibt Behrens seine Erfahrungen. Ochsenzähne, Löwenköpfe und Tonscherben hat er schon bei einer Baumaßnahme direkt neben seinem Haus ausgegraben. Sehr schön: Fragmente einer alten Ofenplatte mit der Abbildung des Celler Schlosses. „Die fachgerechte Instandsetzung solcher Anwesen ist langwierig und erfordert viel Mühe. Ohne Städtebauförderung wäre solch eine Renovierung nicht möglich.“

Behrens findet, dass Celle für seinen Bestand an Fachwerkhäusern einen jeweils angepassten „Masterplan“ bräuchte: „Zum Beispiel sind die Zwischen im Anwesen Schuhstraße 27 sehr wichtig. Sie stellten den direkten Zugang zum Badehaus dar. Heute sind diese Zugänge eher Schmuddelbereiche.“

Wünschenswert wäre seines Erachtens eine bessere Einplanung in den Ausbau des Nordwalls, denn nur mehr Verkehr reiche eben für eine Belebung der Innenstadt nicht aus. „Uns stört der laute Verkehr. Die vielen Lastkraftwagen bringen das Haus zum Zittern. Wir meinen manchmal, die Denkmalbehörde geht auf Verkehrsprobleme nicht ein. Es ist wohl nicht ihre Aufgabe? Im Wohnbereich bilden sich aber immer neue Risse.“

Die Celler Altstadt soll keinesfalls zu einem reinen Museum werden, sondern sich zu einem lebendigen Ort entwickeln, der auch unter kommenden Bedingungen für Wohnen, Arbeit, Handel, Kultur und Freizeit gleichermaßen attraktiv ist, nennt die Stadt Kriterien für die Inanspruchnahme von Fördermitteln.

Von Lothar H. Bluhm