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Celle Ortsteile Celler SPD braucht Zeit für Naturschutz-Kompromiss
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Celler SPD braucht Zeit für Naturschutz-Kompromiss
21:35 08.05.2015
Von Michael Ende
Klein Hehlen

KLEIN HEHLEN. Weil jetzt Teile der ursprünglich als Naturschutzgebiet (NSG) eingestuften Allerniederung bei Klein Hehlen und Boye auf Druck der Politik als Spazier- und Hunde-Freilaufzonen deklariert würden, dürften nun ausgesuchte Teile des Areals als Naturschutz-"Gebietchen" ausgewiesen werden - das jedenfalls äußerten in der Sitzung des Umweltausschusses Kritiker des Kompromisses, den die Verwaltung erarbeitet hatte.

Es gelte, die von der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH) geforderten Lebensraumfunktionen der Unteren Allerniederung verbindlich durch eine Schutzverordnung zu sichern, hieß es im Vorfeld der Sitzung seitens der Verwaltung. Dies sei nicht durch Einrichtung eines Landschaftsschutzgebiets, sondern nur durch ein NSG möglich. Von dieser Haltung nahm die Verwaltung Abstand und folgte dem Vorschlag des Ausschuss-Vorsitzenden Heiko Gevers (CDU), einen Mix aus Landschafts- und Naturschutzflächen zu schaffen. Nur die wertvollsten Areale sollten unter strengsten Schutz gestellt werden.

Der Kompromiss, der gleichzeitig wertvolle Natur schützen und Menschen die Naherholung auf künstlich von Menschen geschaffenen Flächen ermöglichen soll, sieht vor, dass 165 Hektar des insgesamt 190 Hektar großen FFH-Gebiets als NSG eingestuft werden sollen. Lediglich 25 Hektar, die im Nahbereich der Siedlungen liegen, sollen Landschaftsschutzgebiete (LSG) werden.

Sowohl Stephan Ohl (Grüne) als auch Inga Marks (SPD) lehnten den Kompromiss ab, weil so die ursprüngliche Schutz-Idee verwässert würde. Ralf Blidon (FDP) hingegen war dagegen, weil er meinte, dass ein flächendeckendes LSG ausreiche. So schien der Kompromiss zu floppen, bis der als konsequenter Naturschützer bekannte Umweltschutz-Fachdienstleiter Lothar Sander ausführlich erläuterte, dass man bisweilen auch Zugeständnisse an die "Lebensrealität" machen müsse: "Ohne Kompromisse geht es nicht."

Da die SPD sich noch einmal eingehend mit dem Kompromiss-Vorschlag beschäftigen wollte, einigte man sich darauf, das Thema zu vertagen. "Wir sind für einem Kompromiss", betonte SPD-Fraktionschef Jürgen Rentsch am Freitag.

Die Aufregung ist wenig verständlich, wenn man weiß, wie derlei Anordnungen in der Realität gehandhabt werden. Dass man in Celle in Sachen Naturschutz gerne auch mal beide Augen zudrückt, wenn der Mensch sich trotz aller Verbote seine Bahn durch NSGs bricht, zeigt das NSG Obere Allerniederung. Als es 2008 installiert wurde, liefen Bürger aus der Blumlage dagegen Sturm, weil sie ihre alten Badestellen am Fluss nicht mehr nutzen durften.

Als Konsequenz aus den Protesten ließ die Stadt bereits aufgestellte Verbostschilder klammheimlich wieder entfernen, und die "Mascher" konnten weiter baden, wo sie wollten. Für die Verwaltung war alles gut: die Bürger zufrieden, und die Natur auf dem Papier geschützt. Auf die Frage, ob man jemals gegen Verstöße gegen den Schutz-Status des Gebiets vorgegangen sei, schüttelt der städtische Pressesprecher Wolfgang Fischer den Kopf: „Es hat noch kein einziges Verfahren gegeben, weil noch nie etwas an uns herangetragen wurde.“ Die Stadt ihrerseits kontrolliere vor Ort nicht, was im NSG passiere.

Genau so dürfte es auch im neuen Schutzgebiet bei Klein Hehlen laufen. Im Rathaus gibt man sich entspannt und sinniert: „Eine Garantie für die Einhaltung von Vorschriften wird auf keiner Ebene staatlichen Handelns verlangt oder erbracht.“ Übersetzt heißt das: Wer für seine Umweltfreveleien im neuen Schutzgebiet belangt werden möchte, müsste sich selbst anzeigen.