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Celle Ortsteile Celler VHS-Theatergruppe brilliert
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Celler VHS-Theatergruppe brilliert
18:47 17.09.2017
Immer mehr nicht abgeholte Tote: Leichenwäscher Franz (hinter dem „Leichnam“ knieend) geht auf in seinem Beruf. Quelle: Anke Schlicht
Celle

Der Tod ist allgegenwärtig in Dea Lohers Schauspiel „Unschuld“, das am Samstag in einer Aufführung der Volkshochschul-Theatergruppe Premiere feierte. An Franz‘ Arbeitsplatz ist er greifbar, darüber hinaus spukt er in den Köpfen der zahlreichen Protagonisten umher – als letzter Ausweg aus einem unerfüllten Dasein.

Die einzelnen zunächst unzusammenhängend wirkenden Szenen nehmen den Zuschauer mit in ganz unterschiedliche Lebenswelten. Die Schauplätze reichen von der Wohnung eines gut situierten bürgerlichen Ehepaars bis zum Dach des Selbstmörderhochhauses, das den Flüchtlingen Elisio und Fadoul Obdach gewährt. Dort oben wird der Abgrund gegenständlich, an dessen Rand sich die schicksalhaft miteinander verwobenen Personen des Stückes stetig bewegen. Nicht verwirklichte Träume, in Sprachlosigkeit erstarrte Zweisamkeit, Verachtung anstelle von Zugewandtheit – die Autorin Loher zeigt die Kälte und Beziehungslosigkeit einer modernen Gesellschaft und findet eine einzigartige Sprache für die Sehnsucht nach Liebe und Tod. Jeder Satz ist mit so viel Inhalt gefüllt, dass eine Intensität entsteht, die – gepaart mit der Schauspielkunst des VHS-Ensembles – es dem Zuschauer unmöglich macht, sich zu entziehen. Der kleine Raum, den „Kunst & Bühne“ bereithält, verstärkt die Wirkung – der Zuschauer wird nicht nur gedanklich, sondern auch räumlich Teil des Geschehens. Ein echtes Theatererlebnis!

Von Anke Schlicht