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Celle Ortsteile Celler denken bei Straffälligenhilfe nicht in Schubladen.
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Celler denken bei Straffälligenhilfe nicht in Schubladen.
17:15 06.09.2017
Celle

Fröhlich und fast familiär ging es in Hof und Garten an der Jägerstraße zu. In diesem Miteinander war eine Einordnung kaum zu machen. „Feind oder Freund?“ stand auch als große, durchaus provokante Frage in der Einladung.

„Glaube. Hoffnung. Nächstenliebe“ und als Themenanregung hatte sich der Veranstalter, die Anlaufstelle für Straffällige „Projekt Brückenbau“ in Celle, auch für ihre Festredner ausgesucht, allen voran Pastor Michael Kurmeier von der evangelisch-lutherischen Kreuzkirche. „Jesus sagt, liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen.“ Auch die Bergpredigt gebe eine deutliche Positionsbestimmung, was Nächstenliebe betrifft. Schon die Bezeichnung von Feind und Freund sei schwierig zu setzen. „Niemand ist frei von Erwartungsdruck, Emotionen, Abwehrmechanismen, Provokation, Ärger und Missverständnissen. Man erlebt Enttäuschungen, ist wütend, rettet sich in Ausflüchte und ignoriert. Es kommt oft nur auf den Blickwinkel an und oft auf den Zufall ob das einen zum Täter oder zum Opfer, zum Freund oder Feind macht.“

Das Gebot der Vergebung, dem Verzicht auf Revanche, dem Unterlassen einer Gegenreaktion – auch wenn sie berechtigt oder geboten erscheinen mag – sei nicht nur christlich, sondern beweise auch Stärke. „Es ist doch ein ganzer Kerl, der dem Druck nicht nachgibt, der sich die Entscheidung, darüber was er tut, bewahrt, das zeigt Größe und Souveränität.“

Einen anderen Ansatz zum Thema Haft, Mensch und Freiheit bot Jessy James LaFleur. Die „Nomadin aus Überzeugung“ und in Celle durch zahlreiche von ihr moderierte und inszenierte Poetry-Slams bekannt, ist Spoken Word Künstlerin und Rapperin und hat unter anderem das Projekt „Prison Slam” gegründet. In ihrem Poetry-Slam-Workshop lernen Insassen in Hochsicherheitsgefängnissen – auch in der JVA Celle – den Umgang mit dem gesprochenen Wort und präsentieren ihre Ergebnisse. Was sie sich selbst für Gedanken über die Situation ihrer „Jungs“ gemacht hat, brachte sie gekonnt auf der Bühne zum Ausdruck – und erntete dafür begeisterten Beifall von Seiten aller Gäste.

Von Doris Hennies