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Celle Ortsteile Celler retten verwahrloste und ausgehungerte Hunde auf Mallorca
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Celler retten verwahrloste und ausgehungerte Hunde auf Mallorca
20:53 22.05.2015
Von Christopher Menge
Das Wimmern von Hündin Elsa hörte Saskia Voelzke – die Rettung für die Pointer-Hündin, die zwischen - Schädeln und Knochen auf Mallorca leben musste. Inzwischen hat sie in Hustedt bei Christian und Saskia Voelzke ein schönes Zuhause gefunden. Dort lebt auch Chica, die 2010 auf Mallorca gerettet wurde. Quelle: Christopher Menge, Saskia Voelzke (3)
Hustedt

Der Anblick ist grauenhaft: Die Gitter der Käfige sind verrostet, Giftfässer stapeln sich und auf dem ganzen Gelände liegen Knochen. Mittendrin lebt eine Pointer-Hündin – total abgemagert, von Parasiten zerfressen guckt sie apathisch nach oben, als Saskia und Christian Voelzke aus Hustedt sie auf der Ferieninsel Mallorca entdecken. „Wir trauten unseren Augen nicht – es war ein Bild des Grauens“, erzählt Dr. Saskia Voelzke, die in Hustedt eine Kleintierpraxis betreibt.

Auf Mallorca wollte sie sich eigentlich mit ihrem Mann erholen. „Wir machen dort ein- bis zweimal pro Jahr Urlaub in einer Finca“, erzählt Voelzke. Doch schon am ersten Abend hörte sie ein Wimmern in der Nachbarschaft – mit letzter Kraft sendete die Pointer-Hündin, die später Elsa getauft wurde, einen Hilferuf. Die Voelzkes entdeckten sie dann auf einem Gelände eines ehemaligen Züchters, der anscheinend das Gewerbe aufgegeben und die Hunde zurückgelassen hatte. „Sie lag auf den Knochen ihrer Artgenossen, wog gerade mal noch 8 Kilogramm – normal sind fast 30“, sagt Voelzke, „die Hunde sollten einfach verrecken.“

Eigentlich hätte die Tierärztin die Hündin einschläfern müssen, um sie von ihren Qualen zu erlösen. „Doch trotz allem, was Elsa mitgemacht haben muss, hatte die etwa zwei bis dreijährige Hündin noch Lebensfreude“, sagt Dr. Voelzke, „wir haben sie daher aufgepäppelt und in einer Tierklinik behandeln lassen. Sie hatte 700 Zecken und Flöhe – wenn sie nicht verhungert wäre, hätten die Parasiten sie zerfressen.“

Und noch eine zweite Hündin hatte Glück. In einem kleinen Verlies fand Christian Voelzke die kleine „Donna“. Wie Elsa war auch sie nicht gechipt, obwohl die Pflicht auch in Spanien besteht. „In den vergangenen 20 Jahren ist in Sachen Tierschutz einiges in Spanien passiert, aber es gibt noch viele Missstände“, sagt Christian Voelzke, „wenn Touristen etwas mitbekommen, müssen sie sich unbedingt an den Tierschutz wenden. Auf Mallorca sind auch viele Deutsche engagiert, mit denen man sich problemlos verständigen kann.“

Die Voelzkes entschieden sich schließlich, die beiden Hündinnen mit nach Deutschland zu nehmen. „Wir mussten unsere Flüge umbuchen, weil unsere Airline keine Tiere transportiert“, erzählt Saskia Voelzke, die erfolglos nach sogenannten Flugpaten gesucht hatte. Diese nehmen die Tiere auf dem Flug mit. Tierschutzorganisationen holen sie dann direkt am Zielflughafen ab. „Es wäre toll, wenn sich da noch viel mehr Leute registrieren würden, denn viele Hunde finden in Deutschland ein Herrchen oder Frauchen.“

Die Voelzkes hatten schon 2010 eine Hündin aus einer Öltonne auf Mallorca gerettet. „Chica“ gehört seitdem zum 16-beinigen Rudel, das bei den Voelzkes in Hustedt lebt.

„Donna konnten wir inzwischen an eine Rentnerin in Berlin vermitteln. Wir bekommen fast jeden Tag E-Mails, in denen steht, wie glücklich die Dame mit der kleinen Hündin ist“, erzählt Dr. Saskia Voelzke. Elsa verstärkt erst einmal das Hustedter Rudel. „Sie muss noch ganz viel lernen, aber die anderen Hunde helfen ihr dabei“, sagt Voelzke. Ein Leben ohne Futter, ohne Pflege und auf den Knochen verstorbener Artgenossen hat für sie glücklicherweise ein Ende.