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Celle Ortsteile Cellerin Anna-Lina Blahaut hilft in indischem Mädchenheim
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Cellerin Anna-Lina Blahaut hilft in indischem Mädchenheim
10:35 28.12.2016
Im indischen Coimbatore arbeitet die Cellerin Anna-Lina Blahaut als Freiwillige in einem Mädchenheim und wohnt mit 25 Menschen unter einem Dach. Quelle: Stefanie Franke
Altencelle

NMCT ist eine Nichtregierungsorganisation, die sich vor allem für HIV-Infizierte und deren Familien, Menschen aus abgelegenen Dörfern, sogenannte „tribal people“, für immigrierte Arbeiter aus anderen Staaten sowie für Kinder und Frauen einsetzt. Das Hauptziel ihres Auslandsaufenthaltes ist es, die Mädchen und die Organisation im indischen Coimbatore zu unterstützen.

Bereits im Juni berichtete die CZ über die 19-Jährige und ihren bevorstehenden Aufenthalt. Viel hat sich seitdem getan. Mittlerweile ist der Ort fern der Heimat zu einem zweiten Zuhause für Blahaut geworden. „In einem so kurzen Zeitraum habe ich so viel lernen, sehen und erleben können. Einerseits haben wir die Möglichkeit, für unsere Filmaufnahmen in die unglaublich vielfältigen Projekte unserer Organisation zu schauen und direkt mitarbeiten zu können. Wir haben viele Interviews geführt und sind bei den Menschen, die von den Projekten unterstützt werden, zu Hause gewesen. Wir haben so einen guten Eindruck gewinnen können, was sie bewegt, was ihnen wichtig ist und wie sie leben.“ Überall seien sie herzlich empfangen worden, so Blahaut weiter. Die Gastfreundschaft zu spüren, sei etwas ganz Besonderes gewesen.

Mit den Mädchen im Heim verbinden Blahaut und ihre Teampartnerin ebenfalls viele gemeinsame Erlebnisse. „Diese Kinder geben uns so viel Wärme und Freundschaft. Auch wenn es manchmal eine Herausforderung ist, mit etwa 25 Menschen in einem Haus zu leben, ist es immer schön. Wir lernen, spielen, essen und verbringen Zeit mit ihnen, und dadurch, dass wir unmittelbar mit ihnen zusammenleben, können wir ihre Werte ganz anders aufnehmen.“ Zu Blahauts Erlebnissen in Indien zählte außerdem ein fünftägiger Abstecher in die Stadt Hyderabad, der ihr vor Augen führte, wie unterschiedlich die indischen Städte sind.

Eine weitere spannende Etappe steht kurz bevor: In diesen Tagen begeben sich die zwei jungen Frauen auf eine dreiwöchige Reise durch das ganze Land. „Wir beginnen in Delhi, fahren dann über Jaipur nach Agra zum Taj Mahal, um dann in die Heilige Stadt Varanasi zu reisen. Von dort geht es wieder in den Süden nach Hampi, Goa und Allepey und dann zurück nach Hause. Ich bin schon sehr gespannt, wie die anderen Städte sind und welche Menschen ich kennenlerne“, erzählt Blahaut.

In Coimbatore fühle sie sich wohl und aufgehoben. Entgegen vieler Erwartungen sei dort vieles ähnlich wie in Deutschland: „Die Menschen streben nach ähnlichen Dingen: Glück, Familie, Liebe, Wohlstand. Große Teile Indiens sind sehr arm, das lässt sich nicht abstreiten, aber viele Menschen hier sind trotzdem unglaublich gastfreundlich und auf ihre Weise zufrieden.“ Besonders in der Weihnachtszeit ist natürlich auch die eigene Familie und ein wenig Heimweh ein Thema. „Ich habe eine wunderbare Familie und einen liebenden Freund, die daheim sind und auf mich warten. Gerade jetzt zur Weihnachtszeit fehlen sie mir besonders. Ich bin unglaublich dankbar für ihre Unterstützung und kann es kaum erwarten, sie Ende März wieder in die Arme schließen zu können. Dennoch oder gerade dank ihrer Liebe genieße ich meinen Aufenthalt hier sehr. Ich nehme jeden Augenblick mit und versuche, alles so intensiv wie möglich wahrzunehmen.“

Blahaut kommt bereits jetzt zu dem Schluss, an den zahlreichen neuen Eindrücken gewachsen zu sein. Diese haben auch dazu beigetragen, dass sie viele Dinge nun in einem anderen Licht sieht. Sowohl über sich selbst als auch über Entwicklungszusammenarbeit im Allgemeinen und die Bedeutung dieser Arbeit hat die Cellerin sehr viel gelernt. „Ich bin hier nur ein kleiner Teil von etwas, das Menschenleben verändert, und es ist bereichernd, zu sehen, dass tatsächlich ein Wandel stattfindet. Ich entwickle mich hier sehr weiter.“ In Indien gebe es Herausforderungen, denen sie sich in Deutschland nie stellen müsste: Angefangen bei der Kleidung über das Essen, das Klima, die Kultur bis hin zur politischen Situation – dort unterscheidet sich vieles von ihrer gewohnten Lebensweise. „All das bringt mich an meine Grenzen, aber es bringt mich auch zu neuen Ideen und Werten, und das fühlt sich sehr gut an“, meint Blahaut zufrieden und blickt gespannt auf die nächsten Wochen sowie die Eindrücke, welche diese mit sich bringen.

Von Stefanie Franke