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Celle Ortsteile Cellerin möchte Inderinnen das Radfahren beibringen
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Cellerin möchte Inderinnen das Radfahren beibringen
18:14 30.06.2016
Anna-Lina Blahaut sammelt noch Spenden für die Stiftung, die sich für die Recht der Menschen in Indien einsetzt. Die Plakate dazu hat sie selbst gemacht.  Quelle: Rabe Tabea
Altencelle

Ein sechs Jahre altes Mädchen, gekleidet in Lumpen und deutlich unterernährt, bittet Sie um Geld. Geben Sie ihr etwas? Jeder hätte wohl diese Frage automatisch erst einmal mit Ja beantwortet, so auch Anna-Lina Blahaut. „Doch die Antwort ist falsch“, erklärte ihr die indisch-stämmige Mentorin. Man gebe dem Kind nichts, egal wie hartnäckig es bettele. Es könnte einer der vielen Banden in den indischen Slums angehören. Oder es könnte andere Bettler anlocken und man wäre im Nu sein ganzes Geld los.

Anna befand sich kürzlich noch im Aufbauseminar für ein Hilfsprojekt in Indien. Die 19-Jährige wird ab August in Coimbatore, einer Großstadt im Süden Indiens, in einem Mädchen-Kinderheim für HIV-Positive arbeiten. Acht Monate wird Anna dort mit ihrer Projektpartnerin den Kindern beim Englischschreiben helfen, ihnen Fahrradfahren beibringen und Ausflüge organisieren. Nebenbei darf sie die anderen Projekte in Indien besuchen und sogenannte „success stories“ über die Menschen verfassen, denen durch die Karl-Kübel-Stiftung geholfen wurde, und gleichzeitig mit Flyern, Filmen und Blogs für die Projekte werben.

Außerdem wird Anna dabei eine völlig andere Kultur kennen lernen. Die Teilnehmer werden traditionelle Kleidung, sogenannte Chudis, tragen, indische Gerichte ausprobieren und mit allem, was das Leben in Indien ausmacht, konfrontiert. „Wir waschen übrigens auf Steinen“, ergänzt Anna ziemlich trocken.

Anna hat gerade ihr Abitur im Schwerpunkt Sozialpädagogik gemacht, arbeitet gerne mit Kindern. Für das Projekt hat sie sich beworben, weil der Kontakt zu den Menschen vor Ort besonders hoch sein soll. Gleichzeitig will sie sich finanziell nicht abhängig von ihrer Familie machen. Die Stiftung kommt für alle anfallenden Kosten auf, erwartet aber kleine Fördergelder von den jeweiligen Teilnehmern zur Erhaltung der Projekte. Anna hat über kleine, selbst organisierte Spendenaktionen Geld gesammelt, zum Beispiel mit einem eigenen Stand auf dem Historischen Dorfmarkt in Altencelle.

Im Vorbereitungsseminar hat Anna schnell gemerkt, dass sie in Indien nicht die Welt retten wird, ihre idealistischen Vorstellungen sind gedämpft worden. „Ich bin Teil einer Bewegung, die auch wirklich was bewegen kann“, erklärt sie stolz, sagt aber auch, dass wir westlichen Ländern lernen müssten, uns nicht herausnehmen zu wollen, ein Land zu verändern, das wir nicht kennen würden. „Das müssten die Inder schon selber machen.“

Von Tabea Rabe