Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Celle Ortsteile Christina Stürmer ganz nah bei Celler Fans (mit Bildergalerie)
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Christina Stürmer ganz nah bei Celler Fans (mit Bildergalerie)
22:13 27.08.2017
Quelle: Oliver Knoblich
Celle

„Wir fangen die Welt ein, so wie wir sie sehen, in neuen Farben, ich kann sie sehen!“ Die Welt, das ist in diesem Fall die Festwiese von Lobetal und es ist der erste der Song von Christina Stürmer, Highlight des Open-Air-Festivals am Samstag. Und fröhlich bunt zusammengewürfelt sammeln sich die 3000 Besucher erwartungsvoll vor der Bühne, auf der Stürmer dann auch pünktlich um 21 Uhr steht und gleich musikalisch einsteigt – zierlich, locker im weißen T-Shirt, schwarzen Jeans und Turnschuhen – ein gut gelaunter Star ohne Allüren.

Sehr natürlich, gut gelaunt und ganz locker zeigte sich Christina Stürmer beim Konzert in der Lobetalarbeit. Die Österreicherin war ganz nah bei ihren 3000 Fans, besondern den Bewohnern der Einrichtung, die meist in der ersten Reihe standen und alle Lieder problemlos mitsingen konnten.

Nach „Neue Farben“, einem Song aus ihrem neuesten Album, gibt es die offizielle Begrüßung mit einer charmanten Portion Wiener „Schmäh“: „Danke, dass wir hier sein dürfen. Ehrlich Leute, das hier ist wirklich was ganz Besonderes. Wir sind sooo lieb empfangen und betreut worden. Schön, mit euch zu feiern!“ Und ab geht es mit „… wir gehen den Weg von hier, weiter und weiter … ein Leben lang, für immer …“. Der Song ist schon ein Hit, die Fanreihen dichtgedrängt am Metallgitter der Absperrung heben die Arme und singen fast inbrünstig mit – textsicher zumindest beim Refrain – und werten es wohl als Versprechen, zumindest was die Musik angeht. Auch Milena (6) und ihre Eltern Dennis und Daniela aus Celle gehören dazu. Für sie ist das hier ein besonderes Highlight „Es war unser erstes gemeinsames Konzert 2006. Wir gehen seit Jahren auf das Lobetal-Open-Air und es ist immer toll!“

Im wirklichen Leben ist die Sängerin schon vergeben und auch mit Töchterchen Marina angereist. Die Einjährige begleitet ihre Eltern im Tourbus seit Stürmer seit März wieder unterwegs ist. „Und dieser Song muss hier unbedingt gesungen werden“, findet sie und setzt damit ein deutliches Zeichen von Solidarität und einem positiven Miteinander. Unter den Lobetalbewohnern hat sie reichlich Fans, die tatsächlich jedes Lied kennen und voller Ungeduld auf ihren Star gewartet haben.

„Du bleibst für immer ein Teil von mir“, heißt es im nächsten Song – auch der scheint perfekt auf das Gefühl der Zuschauer abgestimmt. Nur ein kaum ein Meter breiter Graben trennen Sängerin und Band von den Fans und die hängen gebannt an ihren Lippen und erwidern jedes Lächeln und Lachen, das Christina Stürmer ihnen auch, offensichtlich gut gelaunt und sogar ein bisschen gerührt, großzügig schenkt. Elfi (64) hat lange Jahre als Bürofachfrau für Lobetal gearbeitet und ist seit Jahren auch bei den Konzerten dabei. Diesmal hat sie ihre Freundin Anne (69) mitgenommen: „Es ist mein erstes Mal überhaupt, dass ich ein solches Konzert besuche und es gefällt mir richtig gut.“

Als es zu regnen beginnt, nehmen die Zuschauer die Sängerin beim Wort: „Kuschelt euch einfach an bisserl zam, dann wird’s schon gehen.“ Bei so viel gegenseitiger Zuneigung und Wärme verdampft das Nass von oben erst mal. „Du bleibst für immer ein Teil von mir“ und dann ihre erster Hit „Ich lebe, weil du mein Atem bist“ – wer kann da an Regen denken?

Es folgen noch ein paar ältere Songs, Mitsingen ist ausdrücklich erwünscht. Die Sängerin bleibt präsent und stärkt Song für Song als Frontfrau das Band zwischen den Musikern und dem Publikum. Die Stimmung ist tatsächlich „mehr als perfekt“ als ein Wolkenbruch losgeht. Keiner flüchtet, alle nehmen es gelassen. Regencapes werden ausgepackt, vereinzelt Schirme ausgepackt. Mitsingen und tanzen hilft, die Dusche zu ingnorieren und tatsächlich dauert die nur wenige Minuten. Der Rest des Konzerts ist eine einzige Feier – drei Zugaben, viele alte Hits, zum Schluss „Engel fliegen einsam“ und nochmal ein herzliches Dankeschön an alle vor und hinter der Bühne.

Von Doris Hennies