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Celle Ortsteile Coole Jazzästhetik und spontane Einfälle
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Coole Jazzästhetik und spontane Einfälle
13:52 12.05.2014
Die „Black Point Jazzmen“ mit dem Celler Trompeter Wolfgang Heidenreich (Mitte) - bei ihrem Muttertagsjazz in Wietfeldts alter Kartoffelscheune. Quelle: Benjamin Westhoff
Bennebostel

Aus Witterungsgründen diesmal zwar nicht im Freien unter den alten Eichen, aber wie immer unter begeisterten Jazzfreunden, die gut gelaunt in die alte Kartoffelscheune geströmt waren. Zu Gast war das achtköpfige Ensemble „Black Point Jazzmen“, unter ihnen auch der Celler Jazztrompeter Wolfgang Heidenreich, der seinerzeit die „Wiederbelebung“ der 1960 gegründeten und zwischenzeitlich „in der Versenkung verschwundenen“ Band maßgeblich mitbetrieben hat. Eine Band, die den swingenden Jazz vom New Orleans Style über den klassischen Dixiland bis hin zu den Ohrwürmern der Big-Band-Ära auf lockere und buchstäblich mitreißende Art darzubieten versteht.

Die zwei Dutzend Titel aus den glanzvollen Zeiten des vorigen Jahrhunderts wie „South Blues“, „Jumpin’ at the Woodside“, „When You’re Smiling“ oder „Lazy River“ klangen bei diesen Vollblutjazzern authentisch und frisch, als wären sie gerade erst komponiert worden. Sie verbreiteten unaufhörlich gute Laune und lösten in den mitswingenden Körpern der begeisterten Zuhörer ein permanentes sanftes Vibrieren aus.

Die hellwache Interaktion zwischen den acht Individualisten und der pulsierende Sog, den ihre Musik entwickelte, ließ keine Langeweile im Publikum aufkommen. Mit ihrem sicheren Gespür für Tempo und Rhythmus und ihren leidenschaftlich dargebotenen virtuosen Soli erwiesen sich die Musiker zudem als stilsichere und wagemutige Improvisatoren, die mit ihrer Mischung aus cooler Jazzästhetik und spontanen Einfällen immer wieder für Szenenapplaus sorgten. Jede Phrase, jede Note ihrer mit viel Spielwitz und Detailliebe zelebrierten Bläsersätze war ganz klar, ganz rein, nicht verschmiert, nicht „gemästet“. Sie spielten beinahe so mühelos, wie andere atmen. Dabei war der Puls ihrer Musik stets präsent und ließ das quicklebendige Kribbeln dieser zeitlos schönen Jazz-Arrangements zwischen Spencer Williams’ „Basin Street Blues“ und Duke Ellingtons „Caravan“ immer wieder spürbar werden.

Von Rolf-Dieter Diehl