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Celle Ortsteile Cramer-Chef prüft Klage gegen die Stadt Celle
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Cramer-Chef prüft Klage gegen die Stadt Celle
17:57 14.09.2017
Von Gunther Meinrenken
Quelle: Gert Neumann
Celle

Am Dienstagabend stoppte der Celler Rat mehrheitlich die weiteren Planungen für einen Lebensmittel-Vollversorger plus zusätzlichen Wohnraum, weil der Markt schädlich für die Geschäftswelt der Innenstadt sein könnte. Nach der Entscheidung wird Jürgen Cramer, Chef des Familienunternehmens, das das Projekt realisieren wollte, möglicherweise vor Gericht ziehen, um seine bisherigen Investitionen einzuklagen.

"Bisher haben wir eine knappe Million Euro in das Vorhaben gesteckt. Wir werden jetzt prüfen, welche Möglichkeiten wir haben", sagte Cramer gegenüber der CZ und schloss dabei auch rechtliche Schritte nicht aus. Die Kosten des Unternehmens waren in den vergangenen Jahren auch entstanden, weil Cramer wegen geänderter Vorgaben immer wieder umplanen musste. Ein Verfahren vor Gericht könnte mit einem Vergleich enden. Würde die Stadt auch nur zur Zahlung der Hälfte der bisherigen Investitionen "verdonnert", wären dies 500.000 Euro – ein schwerer Schlag für den ohnehin schon defizitären Haushalt.

Cramer hat kein Verständnis für die Entscheidung des Celler Rates. "Ich frage mich, warum ein so falsches Bild unseres Projekts gezeichnet wurde", so Jürgen Cramer an die Adresse von Oberbürgermeister Jörg Nigge. Dieser hätte mit Aussagen hantiert, die so nicht stimmten. "Herr Nigge hat einmal unseren Markt in Lachendorf besucht. Dabei habe ich ihm deutlich gesagt, dass wir in Celle ein ganz anderes Angebot haben würden mit viel weniger Non-Food-Artikeln als in Lachendorf, wo wir wegen der Versorgungslage eher den Charakter eines Landwarenhauses haben müssen." Trotzdem habe Nigge den Lachendorfer-Markt als Beispiel angeführt. "Ich verstehe die Celler Politik nicht, das einzige, was ich verstehe, ist, dass wir in Celle nicht erwünscht sind", so Cramer.

Mit der Absage an Cramer stellt sich die Frage, was jetzt auf die seit Jahren brachliegende Fläche in der Nähe des Neuen Rathauses kommen soll. In der Vergangenheit gab es immer mal wieder die Idee, dort ein Hotel anzusiedeln. Nach Auffassung von Fürstenhof-Chef Ingo Schreiber fehlt in Celle nach wie vor ein Tagungshotel für die Congress Union. Angesichts der total verkorksten Grundstücksgemengelage um das St. Josef-Stift böte sich nun die Wehlstraße an. Doch Schreiber hält diese Fläche für vollkommen ungeeignet. "Alles was weiter weg ist als 50 Meter funktioniert nicht. Der Weg durch den Französischen Garten ist zu weit. Die Wehlstraße ist keine Option für einen Hotel-Standort."

Im Neuen Rathaus will man nun die Vermarktung der Fläche "zügig auf den Weg bringen. Wie es der Rat von uns verlangt hat", betonte Stadtbaurat Ulrich Kinder. Schwerpunkt an dem Standort solle Wohnen werden. "Das Verfahren klären wir noch", so Kinder auf die Frage, ob es einen erneuten Investorenwettbewerb geben werde. Ende September werde die Verwaltung ihre Vorstellungen präsentieren. Ob auch kleine Läden wie Bäcker oder Zeitschriftengeschäfte vorgesehen seien, könne Kinder im Augenblick nicht ausschließen.

Den Blumlägern, die das Aus des Cramer-Marktes bedauern, machte der Stadtbaurat Hoffnung. "Die Botschaft der Bewohner der Blumlage ist angekommen. Wir schreiben im Augenblick unser Einzelhandels- und Zentrenkonzept vor. Dabei soll auch für den Ortsteil Blumlage geprüft werden, welche Bedarfe es gibt, welche Sortimente gefragt sind und wo mögliche Standorte für einen Markt sein könnten und wie groß der ausfällen könnte", erklärte Kinder. Mit ersten Ergebnissen rechnet der Stadtbaurat bereits nach den Herbstferien.

Und zu guter Letzt: Einer eventuellen Klage von Cramer auf Schadensersatz sehe die Verwaltung gelassen entgegen. "Der Celler Rat hat immer das Recht, bereits getroffene Beschlüsse wieder zurückzuziehen, solange noch keine Verträge unterschrieben sind. Und das ist hier der Fall. Unterschrieben war noch nichts", sagte der Stadtbaurat. So gesehen gebe es auch keinen Anspruch des Investors Cramer auf Schadensersatz.