Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Celle Ortsteile „Die KWG will mich rausekeln“
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile „Die KWG will mich rausekeln“
15:59 02.03.2012
Von Oliver Gatz
W¸ste Baustelle: Bereits im vergangenen Jahr hatte Marianne Marzinzik ƒrger mit der KWG. Sie ‰rgerte sich dar¸ber, dass es bei der Sanierung ihrer Wohnung keine Absprachen mit den ausf¸hrenden Baufirmen gab. Quelle: Oliver Gatz
Vorwerk

Es ist nicht das erste Mal, dass die KWG die Vorwerkerin Marianne Marzinzik auf die Palme bringt. Erst hatte die 37-Jährige bei der Sanierung ihrer Wohnung in dem Mehrfamilienhaus am Vorwerker Platz mit Handwerkern und Dreck in der Wohnung Ärger, jetzt flatterte der Frau ein unerfreuliches Schreiben der KWG-Wohnwert GmbH ins Haus. Inhalt: Sie sei im Zahlungsrückstand. Es fehlten 593,04 Euro auf dem KWG-Konto. Zuzüglich der Mahngebühr von fünf Euro solle sie 598,04 Euro zurückzahlen.

Marzinzik versteht die Welt nicht mehr. Die Mutter eines siebenjährigen Sohnes bezieht Arbeitslosengeld II. Die Miete für ihre Wohnung – also die Kosten der Unterkunft – überweist der Landkreis direkt an den Vermieter, also die KWG. Das hat sich Marzinzik von der Arbeitsagentur bestätigen lassen. Anhand einer Liste der ausgezahlten Buchungen, die der CZ vorliegt, geht hervor, dass im Januar und Februar Beträge überwiesen wurden. Woher stammen also die Zahlungsrückstände? Marzinzik hat keine Erklärung dafür. Nur diese: „Die KWG will mich rausekeln.“ Jetzt befürchtet die 37-Jährige, dass eines Tages der Gerichtsvollzieher vor ihrer Tür steht.

Nach Angaben von Jan Hutterer, Sprecher des Immobilienunternehmens Kommunale Wohnen AG (KWG) aus Hamburg, hat die KWG ausschließlich ein Vertragsverhältnis mit Marzinzik, nicht mit dem Landkreis. Hutterer: „Wir als Vermieter haben nicht die Möglichkeit, auf Höhe und Rechtzeitigkeit von Zahlungsvorgängen direkt beim Landkreis Einfluss zu nehmen.“

Der Landkreis Celle habe sich gegenüber Marzinzik verpflichtet, für sie die Mietzahlungsverpflichtung zu übernehmen, so der Sprecher weiter. Änderungen über ihr Haushaltseinkommen und ihren Haushaltsbedarf müsse die Mieterin unverzüglich dem Landkreis mitteilen.

Nach KWG-Angaben wurden in Marziniks Fall die Mieten zeitweise nur teilweise bis zur vom Landkreis festgelegten Obergrenze bezahlt. Da dieser Betrag nicht ausgereicht habe, um die gesamte Mietforderung auszugleichen, müsse die Mieterin die Differenz eigenverantwortlich tragen.

Hutterer: „Es gibt zu diesem Sachverhalt bereits seit November Gespräche, die jedoch bisher nicht zufriedenstellend verliefen.“ Auch nach mehreren Rücksprachen seien die Rückstände noch nicht voll ausgeglichen, so dass sich immer noch der angemahnte Betrag als Restforderung ergebe, so der Sprecher. „Wir haben den Sachverhalt nochmals übersichtlich aufgeschlüsselt und werden diesen noch heute per Post an Frau Marzinzik schicken.“

Ärger hatte es bereits im vergangenen Jahr bei der Modernisierung der Wohnanlage Veilchengrund in Vorwerk gegeben, für die die KWG verantwortlich ist. Anwohner klagten darüber, dass unangemeldet Handwerker vor der Tür standen und keine vernünftigen Terminabsprachen erfolgten. In der Wohnung von Marzinzik sah es wüst aus: An mehreren Stellen waren die Wände offen, Fensterbänke wurden abgerissen, Fäkalgeruch kroch einem aus dem Gäste-WC in die Nase.