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Celle Ortsteile Dreirad gibt nach Schlaganfall neuen Lebensmut
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Dreirad gibt nach Schlaganfall neuen Lebensmut
19:28 03.11.2017
Quelle: Lothar H. Bluhm
Wathlingen

„Das wollte ich schon immer machen“, verrät der 67-jährige Zwei-Meter-Mann sein Motiv zu dieser für einen Körperbehinderten ungewöhnlichen Tour. „Ich mag Holland, ich mag das holländische Essen Bami und Nasi und die Frikandellen, Vleeskrokets und Bitterbollen“, gerät Ernst ins Schwärmen. „Es war optimales Fahrradwetter“, berichtet der Wathlinger von seiner Exkursion, die er nur mit Hilfe eines guten Bekannten realisieren konnte.

Machen Sie das, solange Sie das können, habe ihm sein Arzt vorher empfohlen, sagt Wolfgang Ernst. Denn er ist seit einem doppelten Schlaganfall vor 20 Jahren halbseitig gelähmt und Frührentner. Mit 46 Jahren wurde er aus dem aktiven Arbeitsleben in der Anzeigenabteilung der Celleschen Zeitung gerissen. „Das war am 6. Mai 1997“, erinnert sich Ernst an das Ereignis. Seither ist er schwer gehbehindert, außergewöhnlich gehbehindert wie es im Amtsdeutsch heißt. „Da sind schon Tabletten und permanent Knie-Spritzen erforderlich, und um zum Rollstuhl zu gelangen, benötige ich Hilfe durch meine Pflegekraft", sagt Ernst.

So hat er also sein Dreirad nicht zum Vergnügen. „Ohne das Fahrrad wäre das Leben für mich zu eintönig“, sagt er. Ohne Fahrrad könne er keine sozialen Kontakte pflegen, denn so habe er immerhin einen gewissen Bewegungsradius. Sein knallrotes Gefährt hat eine Elektromotorunterstützung. „Damit schaffe ich etwa 30 Kilometer im Umkreis in rund drei Stunden“, beschreibt Ernst seine Möglichkeiten, sich täglich per Pedale zu bewegen. Früher seien die Touren doppelt so lang gewesen, stellt Ernst für sich fest. Aber heute reicht seine Kraft nicht mehr so lange.

Das sei aber kein Grund zum Jammern, findet er. Mit Humor und Gottvertrauen lasse sich vieles leichter ertragen. Denn so könne er doch wenigstens seine Papenhorster und Schepelser Freunde und Bekannte im Umfeld besuchen. Und seine Freunde halten das Fahrrad in Schuss: „Die Elektronik mit den sechs Akkus ist sehr sensibel, aber inzwischen wissen wir, worauf wir achten müssen", berichtet der Wathlinger.

Sein Antrag auf eine Rehabilitationsmaßnahme läuft bereits und Ernst ist zuversichtlich, dass der Kostenträger alsbald seine Zustimmung geben wird. „Eine Kur an der Ostsee bei Damp wäre sehr schön“, sagt er. „Da war ich schon dreimal und das hat mir sehr gut getan.“ Hinzu komme, dass es dort landschaftlich einigermaßen eben sei und er mit seinem Dreirad gut fahren könne.

Bei Frost, Schnee und Eis ist das tägliche körperliche Training nur mit dem Heimtrainer möglich. „Da fahre ich schon meine Strecke auf dem Flur“, beschreibt Ernst seine Trainingseinheiten mit verschmitztem Lächeln. Aber ohne Schnee und Eis fährt er seine Runden in Wathlingen und darüber hinaus: „Interessierte Mitfahrer sind willkommen, Körperbehinderte immer! Meine Telefonnummer lautet (05144) 5600056.“

„Ich bin rollstuhlpflichtig und das Dreirad ist ein Rollstuhl – eben mit drei Rädern.“ Es sei aber für den Straßenverkehr offiziell zugelassen. „Damit fahre ich auch bei Rewe oder Edeka in den Laden rein: Ohne das Dreirad wäre ich tot", stellt Ernst fest.

Von Lothar H. Bluhm