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Celle Ortsteile Emotionaler Ausbruch im Celler Finanzausschuss
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Emotionaler Ausbruch im Celler Finanzausschuss
17:27 07.12.2017
Von Gunther Meinrenken
Oliver Müller ließ im Finanzausschuss seinem ganzen Frust über die Verzögerungen beim Nordwallausbau und dem Ende des "Rio's" freien Lauf. Quelle: Fremdfotos/eingesandt
Celle

Ausgangspunkt: Müller hatte im Investitionsprogramm unter dem Punkt "Verkehrskonzept Innenstadt Äußerer Ring" gesehen, dass dort im kommenden Jahr keine Mittel für das Projekt eingestellt worden waren. Sprich: Hätten er und seine Lebensgefährtin Dawn Doneck die Jugendkultkneipe doch noch weiter betreiben können?

Im März vergangenen Jahres hatten Müller und Doneck die Segel gestrichen und das Ende des "Rio's" bekannt gegeben. Zuvor hatten sie die Kündigung des Pachtvertrages vor Gericht angefochten. Die Stadt reagierte mit einer Räumungsklage, die sie auch vor dem Landgericht Lüneburg gewann. Mangels Erfolgsaussichten verzichteten die beiden auf eine Berufung, die Stadt ihrerseits auf einen sofortigen Vollzug der Räumungsklage. Beide Seiten einigten sich darauf, dass das "Rio's" noch bis Ende Januar 2018 weitermachen darf.

Hauptgrund für Müller und Doneck damals: Den beiden sei von Stadtbaurat Ulrich Kinder signalisiert worden, dass die Bauarbeiten im Frühjahr kommenden Jahres losgehen sollten. Umso erstaunter war Müller nun, dass er dafür keine Haushaltsmittel im Investitionsplan gefunden hat. "Was sollen das denn für Bagger sein, die nichts kosten", wetterte er in Richtung Stadtbaurat.

Doch damit war noch nicht Schluss: Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende und die SPD hätten ihn diskreditiert, spielte Müller darauf an, dass ihm unterstellt worden sei, als Ratsherr gegen den Nordwall-Ausbau zu sein, weil er als Kneipenwirt dadurch Nachteile hätte. Jetzt da diese Doppelrolle durch das beschlossene Ende des "Rio's" nicht mehr vorhanden ist, brach der ganze Frust und die Verzweiflung über seine persönliche Situation aus Müller heraus. "Meine Existenz ist ruiniert, ich habe nichts mehr. Ich kann mich nirgendwo mehr sehen lassen, ohne dass mich Leute darauf ansprechen", sagte er in Richtung seiner perplexen Ratskollegen, von denen er bei der nächsten Ratssitzung eine Stellungnahme einforderte, damit er "den Leuten" sagen könne, was die Politik eigentlich will.

Oberbürgermeister Jörg Nigge (CDU) stellte sich vor seinen Stadtbaurat. "Es gab damals andere Grundlagen. Ich habe Ihnen seit Wochen gesagt, dass die Bagger nicht rollen werden. Aber im Frühjahr haben wir ein Konzept und einen Fahrplan für den Ausbau des Nordwalls. Das hat es bisher nicht gegeben", sagte Nigge an die Adresse des aufgewühlten Müller.