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Celle Ortsteile Erich-Kästner-Schule: Eltern in Garßen machen ihrem Ärger Luft
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Erich-Kästner-Schule: Eltern in Garßen machen ihrem Ärger Luft
10:17 13.02.2015
Von Carsten Richter
Deutlicher Protest: Mit Plakaten kämpfen Schüler für den Erhalt ihrer Schule. Auch die Eltern wehren sich – eine Informationsveranstaltung am Mittwoch war gut besucht. Quelle: Carsten Richter
Garßen

„Ich möchte meinen Abschluss hier machen.“ „Warum unser Gebäude?“ „Wir wollen unsere Schule behalten.“ Die bunten, von Schülern gebastelten Plakate an den Tischen, Fenstern und der Tür der Aula verrieten schon vor Beginn des Elternabends in der Garßener Erich-Kästner-Schule: Es gibt nur ein Thema heute – die Schließung der Einrichtung. Seit kurzem steht dafür der 1. August 2016 als frühester Termin im Raum. Die Eltern sind verunsichert und besorgt, ihre Kinder könnten den Schulabschluss nicht in ihrem gewohnten Umfeld machen. Am Mittwochabend machten sie ihrem Unmut gegenüber dem für die Förderschulen zuständigen Landkreis Luft.

„Ich bin erschüttert, dass Herr Wiswe offenbar keine Verantwortung für Kinder hat“, sagte eine Mutter. Sie sehe für ihren Sohn keine Chance auf einer anderen Schule. Hintergrund: Erst im Januar waren erneut Investoren und Architekten durch die Schule gegangen – das war einigen aufmerksamen Schülern nicht entgangen. Eltern hatten sich daraufhin mit einem offenen Brief an Landrat Klaus Wiswe gewandt.

Im Zuge der Inklusion lässt die Landesregierung die Förderschulen mit dem Schwerpunkt Lernen generell auslaufen. Weshalb aber ausgerechnet die Erich-Kästner-Schule – mit derzeit 109 Schülern die größte im Kreis Celle – als erste schließen soll, verstehen die Eltern nicht. „Und nächstes Jahr wird die Schülerzahl nicht wesentlich sinken“, so Schulleiter Frank-Peter Viering.

„Der Einzugsbereich reicht bis nach Hohne und Eldingen“, betonte Elternratsvorsitzender Albert Thies. Bei einer vom Landkreis angedachten Fusion mit der kleineren Pestalozzischule in der Heese seien die Kinder noch länger unterwegs. Zudem sehen einige Eltern das dortige soziale Umfeld mit Sorge. „Bei uns fühlen sich die Schüler sicher“, bestätigte eine Lehrerin.

„Die Lehrkräfte in der Erich-Kästner-Schule leisten eine gute Arbeit“, versuchte Schulamtsleiter Reinhard Toboll zu beschwichtigen. „Die ist nicht an den Standort gebunden.“ Das sah FDP-Kreistagsabgeordneter Charles M. Sievers anders: „Schüler mit Lernschwäche sind in Garßen am besten aufgehoben.“ Es gebe ja auch „keine Zwangsinklusion“, versprach Toboll, „bis wir verkaufen, findet ein ungestörter Schulbetrieb statt“.

Damit ließ der Schulamtsleiter die Eltern im Ungewissen zurück. Bernd Zobel, Grünen-Fraktionschef im Celler Stadtrat, ermutigte die Eltern, ihr Anliegen auch an die großen Ratsparteien CDU und SPD heranzutragen. „Wir werden uns erstmal weiter beraten“, so Thies. Eine Klage gegen den Landkreis sei aber schon im Gespräch. Und auch eine Demonstration in der Innenstadt ist angedacht.