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Celle Ortsteile Europa-Kutsche aus Dalle auf Spuren von Hannovers Krönungstross von 1714
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Europa-Kutsche aus Dalle auf Spuren von Hannovers Krönungstross von 1714
22:17 16.05.2014
Nach der Ankunft in London hielt der hannoversche Kurfürst vor dem Kensington Palace eine Ansprache - an seine neuen Untertanen und an die aus Hannover angereisten alten Untertanen. Er sprach von einer langen Reisen mit vielen neuen Eindrücken. Tatsächlich war Wilhelm Lilje nach London geflogen - und hatte hier die Kutsche gewechselt. Quelle: Catrin Kuhlmann
Dalle

Mit einem Empfang von „Kurfürst Georg Ludwig“ im St. James’s Palace in London hat gestern eine besondere Reise ihren Abschluss gefunden. Auf den Spuren des Krönungstrosses des hannoverschen Landesherrn, der 1714 zu Georg I. von England gekrönt wurde, hatte sich 13 Tage lang die Europa-Kutsche von Christine und Jürgen Reimer bewegt. Sie war am 30. April von Dalle nach Wassenaar bei Den Haag gestartet, an Bord des bequemen Gefährts war neben anderen Mitreisenden der Escheder Wilhelm Lilje, der in die Rolle des Kurfürsten geschlüpft war. Mit rund 600 Kilometern, die die vier Pferde mit Bravour bewältigten, war die Reise noch um einiges länger als die Kutschfahrt von 1714. Der wahre Kurfürst war vor 300 Jahren in Hannover aufgebrochen.

Die Hauptlast der Reise, die die Hannoversch-Britische Gesellschaft initiiert hatte, ruhte auf den Schultern von Christine und Jürgen Reimer. Nach wochenlangen Vorbereitungen, in denen Christine Reimer die Route fernab stark befahrener Straßen erkundete und Quartier für Mensch und Tier machte, waren die Reisetage selbst anstrengend. Setzte sich die Kutsche morgens in Bewegung, hatte Ehepaar Reimer mit Füttern, Anspannen und Beladen schon drei Stunden Arbeit hinter sich.

„Ich bin noch ein bisschen müde“, gesteht Jürgen Reimer am Donnerstag – Dienstagabend waren er und seine Frau sowie die Pferde aus Den Haag zurückgekehrt. Die Alt-Oldenburger Felix, Lukas, Hero und Hektor überstanden die achtstündige Rückfahrt auf Pferdeanhängern bestens. Seinen Pferden spricht Reimer ein großes Lob aus. Sie hätten Großartiges geleistet. Im Tecklenburger Land, wo es leicht wellig ist, hätten sie sich mächtig ins Zeug legen müssen. Voll beladen und mit bis zu 14 Personen besetzt, wiegt die Kutsche bis zu drei Tonnen. „Das Wohlergehen der Pferde steht an erster Stelle“, sagt Reimer. Seine Frau habe den Tieren jederzeit ihre volle Aufmerksamkeit gewidmet.

Unterwegs erlebten die Reisenden immer wieder jubelndes Volk mit britischen Fähnchen, fröhliche Feste und grandiose Empfänge. Im Kloster Loccum begrüßte Abt Horst Hirschler den Kurfürsten, es spielten Posaunisten in historischen Gewändern. Auf Schloss Ippenburg wurde mit der Ankunft des Königstrosses die Gartenausstellung „Tulpenpracht 2014“ eröffnet. Hier wurde zur Erinnerung an die Reise auch eine Sandsteintafel enthüllt. In Bad Essen war eine lange Tafel zum Frühstück mit festlich gekleideten Laienschauspielern hergerichtet worden.

Bis zu zehn Kutschen gesellten sich zur Europa-Kutsche und bildeten einen imposanten Tross. Nur wettermäßig war die zweite Hälfte der Reise nicht erfreulich. Regen ohne Pause, Kälte und Wind hätten den „Spaßfaktor minimiert“, meint Reimer. In Ohne bei Bad Bentheim hatte die Dorfgemeinschaft einen Empfang vorbereitet und dann ging ein Wolkenbruch nieder. „Das war so gemein“, sagt der Europa-Kutscher. Joachim Gries

Von Joachim Gries