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Celle Ortsteile Experte: Celler Architekt Otto-Haesler hat engste Bauhaus-Bezüge
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Experte: Celler Architekt Otto-Haesler hat engste Bauhaus-Bezüge
16:14 25.06.2018
Von Andreas Babel
Celle

Ist es legitim, dass die Stadt Celle mit dem Slogan „Barock meets Bauhaus“ wirbt? „

Das ist sehr legitim und wünschenswert. Im Allgemeinen wird der Begriff Bauhaus synonym verwendet für die gesamte Klassische Moderne, für die Avantgarde der Zwischenkriegszeit - das ist in Deutschland allgemeiner Konsens. Nur in der Wissenschaftssprache ist der Begriff „Bauhaus“ enger gefasst und vom „Neuen Bauen“ abgegrenzt.“

Wie viel Bauhaus steckt im Architekten Otto Haesler, der lange Zeit in Celle gewirkt hat?

„Otto Haesler hat engste Bauhaus-Bezüge. Er ist mit seinen Ansichten und seinem Werk in die Bauhaus-Ideengeschichte einzuordnen. Er hatte in seinem Freundeskreis viele Bauhaus-Kontakte und er hatte Bauhäusler in seinem Büro angestellt. In der zweiten Hälfte der 1920er Jahre war die Bauhäuslerin Katt Both bei Haesler als Innenarchitektin angestellt. Viele Arbeiten sind von ihr, ohne dass das näher ausgewiesen wurde. Außerdem hat Haesler permanent Kontakt zum Bauhaus gehalten. Und drittens stand er ganz oben auf der Wunschliste als Nachfolger von Otto Bartning, dem Direktor der Staatlichen Bauhochschule, dem zweiten Bauhaus in Weimar, in dem 80 Prozent der Lehrkräfte aus dem Bauhaus waren, doch die Nationalsozialisten haben diese Besetzung verhindert. Aus kulturpolitischen Gründen kam Otto Haesler für diesen Posten dann 1930 nicht mehr in Frage.“

Sie kennen Celles Architektur sehr gut - was gefällt Ihnen hier besonders?

Celle hat ein absolutes Alleinstellungsmerkmal: Es gibt hier nämlich eine einzigartige prototypische Versammlung von Architektur der Klassischen Moderne, sei es im Siedlungsbau, Schulbau und Industriebau. Diese Versammlung dieser Bauten ist nicht nur einzigartig, sondern hat auch den Krieg überdauert und ist zum Teil restauriert.“

Viele der Celler Haesler-Bauten sind in die Jahre gekommen. Was kann man tun, um sie zu erhalten?

„Die Gebäude sind ja zum Teil schon 90 Jahre und älter. Ich habe mal vor über 40 Jahren Architektur studiert und schon damals wurde uns gesagt, dass jedes Gebäude nach 50 Jahren generalsaniert werden muss. Es ist fahrlässig, vielleicht sogar kriminell, wenn man das als Besitzer dieser Immobilien nicht durchführt, aber von seinen Mietern weiterhin Miete verlangt. Wenn man diese Gebäude nicht pflegt, verkommen sie zu Ruinen. So sollten man nicht mit diesen Ressourcen umgehen, sondern sie vielmehr für die Nachwelt erhalten.“

Die Gebäude waren ja nicht auf Dauer angelegt, oder?

„Ja, in gewisser Weise waren diese Architekten auch Pioniere, die mit Stahl und nicht getesteten Baumaterialien experimentiert haben. Dadurch sind ungewollte Bauschäden aufgetreten. Wenn man sich heute das industrielle gefertigte Modell T von Henry Ford anschaut, dann sind das heute Oldtimer ohne Ende. Die Bauten der Klassischen Moderne, die etwa aus dieser Zeit stammen, wirken aber heute noch frisch und wegweisend.“

Was kann man von der Klassischen Moderne heute noch lernen?

„Die Architekten waren ihrer Zeit im positiven Sinn weit voraus. Nicht die Formensprache und der Baustil sind das, was das Besondere ist, sondern vielmehr, dass man mit den modernen, technischen und materialtechnischen Möglichkeiten der Zeit ein Optimum für die Nutzer herausholt. Damals wie auch heute wieder sollte die Prämisse lauten: Luft, Licht und Sonne ins Haus, damit die Masse der Bevölkerung vernünftigen Wohnraum und vernünftige Räumlichkeiten zum Lernen und Arbeiten zur Verfügung hat.“

Was müsste sich Ihrer Meinung nach heute ändern, damit man diesem alten Ziel näher kommt?

„Wir wissen ganz genau, welche politischen Rahmenbedingungen gegeben sein müssen, damit man vernünftigen Wohnraum für viele schaffen kann. Bodenspekulation muss per Gesetz minimiert oder am besten ausgeschaltet werden. Warum führt man nicht eine Wohnzinssteuer ein, durch die alle Hausbesitzer Steuern bezahlen, die für den Sozialen Wohnungsbau eingesetzt werden? Außerdem müsste man auf vielfältige Bürgerbeteiligung etwa durch Genossenschaften setzen und schließlich müssten die Verantwortlichen in den Städten wieder solche ein Wohnungsbauprogramm initieren, wie es das in den 1920er Jahren gab.“

Vielen Dank für das Gespräch!

Unter dem Motto „Barock trifft Bauhaus“ hat die Celler Tourismus Marketing GmbH (CTM) eine Initiative gestartet, mit der sie neben der Altstadt eine zweite architektonische Besonderheit in den Vordergrund rücken möchte.

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