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Celle Ortsteile Faisal Kawusi in Celler CD-Kaserne
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Faisal Kawusi in Celler CD-Kaserne
04:10 23.02.2018
Quelle: cz
Celle

Ein großer Teil seiner 120 Kilogramm, die er nicht müde wird zu betonen, hat sich körpermittig gesammelt, sein Bauch ist gut sichtbar, das T-Shirt macht ihn anschaulich, an eindeutigen Hüftbewegungen hindert er ihn jedoch nicht: Vor, zurück und wieder vor bewegt er sein Becken: „Ich weiß genau, was die deutschen Väter denken morgens am Frühstückstisch, du hast meine Tochter…“, und dann demonstriert er.

„Haben wir heute Abend Kanaken hier?“, wartet er mit seinem zweiten Standbein, dem afghanischen Migrationshintergrund, auf. „Ich finde es immer gut, wenn ein paar Ausländer da sind, die können den Schmerz nachempfinden“, zeigt er sich unzufrieden mit seinen deutschen Landsleuten, für die Afghanen grundsätzlich Bombenleger seien. „Was? Zwei Kurden und sonst nix? Kurden, also landlos.“ Aber viele gebe es davon. „Jede kurdische Mutter ist eine Fabrik.“

„Ich versteck‘ mich lieber“, ist indes aus der hintersten Reihe zu hören, die, mit einer Ausnahme, ausschließlich von Afghanen belegt ist. Sie scheinen wenig Lust auf Kawusis Improvisationsversuche zu haben, die in der Regel in derbem Wortwitz enden und gelegentlich Tabus brechen. „Wer war letztes Jahr im Urlaub? Und wo? Hand hoch.“ „Cuxhaven“ kommt es aus den vorderen Rängen zurück, für die es vor Kawusis Gesprächsanbahnungen kein Entrinnen gibt. „Da machst Du Urlaub? Das ist bitter. Da wäre ich lieber nach Auschwitz gegangen, da gibt es wenigstens ein bisschen Kultur.“

In Faisal Kawusis Welt beginnen Unterhaltungen zwischen Männern mit „Ey Alter“ oder „Was geht ab?“ „Isch fahre einen Audi A5“, verrät er während einer von mehreren Zugaben. Vermutlich durchquert er sein Viertel mit – auch bei Eis und Schnee – heruntergelassenem Seitenfenster, damit der Arm für die lässige Pose Platz findet. Auf Hintersinn setzt der 26-Jährige nicht, seine Witze sind einfach, und zu größter Form läuft er auf, wenn er nachäfft: Deutsche beim Wandern, „Let’s Dance“-Jury Mitglied Jorge Gonzalez beim Bewerten – dann ist der Saal, gefüllt mit größtenteils jungen Leuten, aus dem Häuschen.

Stört es seine afghanischen Landsleute in der letzten Reihe nicht, dass er vom Pascha-Söhnchen bis zur Großfamilien-Idylle nahezu jedes Klischee bedient? „Nein, überhaupt nicht. Er spielt gut damit“, antwortet Bardh Gashi und sämtliche Sitznachbarn pflichten bei. Und so liefert der Schlussapplaus dann auch den Beweis. Dieser Comedian ist nicht nur reich an Leibesfülle und Wurzeln in einem fernen Land – er trifft auch den Nerv der Zeit.

Von Anke Schlicht

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