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Celle Ortsteile Faules Gemüse stinkt zum Celler Himmel
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Faules Gemüse stinkt zum Celler Himmel
16:19 21.06.2017
Von Gunther Meinrenken
Celle

Eigentlich hat Yvonne Merchel einen schönen Arbeitsplatz. Die Verkehrsleiterin der Spedition Kraftverkehr Osthannover Gmbh (KOG) an der Biermannstraße kann bei den derzeit hochsommerlichen Temperaturen die Türen und Fenster geöffnet und sich zur Abkühlung eine frische Brise um die Ohren wehen lassen. Doch im Augenblick rümpft sie eher die Nase. Denn seit ein paar Wochen trägt der Wind äußerst unangenehme Gerüche von einem Nachbargrundstück herüber.

Etwa 60 Meter von Merchels Schreibtisch entfernt, direkt hinter einem Zaun, türmt ein Nachbar der KOG seit Wochen alte Obst- und Gemüsekisten auf. In Containern liegen verblichene Zeitungspakete. Fäulnisgeruch liegt in der Luft, unzählige Fliegenschwärme umkreisen die verrottenden Lebensmittel. Auf einer Fläche von etwa 8 mal 30 Metern stapeln sich mannshoch Pappkartons und Kisten mit Kohlrabi, Zitronen, Orangen, Tomaten, Brokkoli, Lauchzwiebeln, Peperoni, Kürbissen und Salatköpfen. Nur wenige der Lebensmittel wirken noch relativ frisch, viele sind vertrocknet oder haben sich bereits in eine undefinierbare Brühe aufgelöst, die von den Kisten aus auf den Boden tropft und einen unfassbaren Gestank verbreitet.

Verantwortlich für die Mini-Müllkippe ist Reinhard Lindner, der im Dezember 2014 mit seiner kleinen Transportfirma an die Biermannstraße gezogen ist. Er hat ein neues Geschäftsmodell entdeckt. "Ich hole die Obst- und Gemüsereste vom Großmarkt in Hamburg. Dann lasse ich sie zu Kompost weiterverarbeiten." Der Hinterhof sei nur ein Zwischenlager. "Im Augenblick warte ich darauf, dass ich in Soltau ein Grundstück für die Weiterverarbeitung bekomme. Die Verhandlungen laufen noch. In absehbarer Zeit dürfte es klappen", so Lindner, der vor zwei Jahren noch als Saubermann in Erscheinung getreten war. Als im Frühjahr 2015 der linksalternative Verein "Wildwux" das Gelände an der Biermannstraße verlies, regte sich Lindner über den Müll auf, den die Autonomen auf dem Grundstück zurückgelassen hatten.

Jetzt ist Lindners "Obst- und Gemüsehalde" zu einem Fall für die Untere Abfallbehörde geworden. Peter Schiefke, zuständig für unsachgemäße Müllentsorgung, hat sich vor Ort selbst ein Bild von den Zuständen gemacht. Sein Urteil: "Das geht gar nicht." Auch wenn das Gesundheitsamt keine Seuchengefahr sehe und von den Lebensmittelresten keine Gefahr für die öffentliche Sicherheit oder das Grundwasser ausgehe, handele es sich um eine umweltgefährdende Abfallentsorgung. Schädlingsbefall sei bisher nicht festgestellt worden, auch Ratten habe man noch nicht entdeckt, letzteres werde allerdings regelmäßig kontrolliert. "Derzeit wird auch überprüft, ob die Angelegenheit strafrechtlich relevant sein könnte", sagt Schiefke, der unangenehm überrascht war über die Dimensionen, die die Müllhalde mittlerweile angenommen hat.

Schiefke handelte unverzüglich. Lindner und auch der Eigentümer des Grundstücks, der seinem Mieter bereits gekündigt haben soll, wurden schriftlich aufgefordert, die Obst- und Gemüsereste zu entfernen. Die erste Frist ist jetzt abgelaufen, freilich ohne dass etwas passiert ist. Schiefke will nun eine härtere Gangart einschlagen. Jetzt soll eine Verfügung mit der Androhung eines Zwangsgeldes an Lindner und den Grundstücksbesitzer ergehen. Im Gespräch ist derzeit ein Strafgeld in vierstelliger Höhe. Sollte der Aufforderung nicht Folge geleistet werden, könnte der Müll auch auf Kosten von Lindner und des Eigentümers beseitigt werden.