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Celle Ortsteile Flüchtlinge ziehen in Notunterkunft in Scheuen in Schnellbauhütten um
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Flüchtlinge ziehen in Notunterkunft in Scheuen in Schnellbauhütten um
09:13 23.10.2015
Quelle: Benjamin Westhoff
Scheuen

Das riesige Gelände der ehemaligen Kaserne in Scheuen wirkt wie eine kleine Zeltstadt. In den robusten Zelten sind rund 1000 Flüchtlinge untergebracht. An einzelnen Zäunen hängen Pullover und Hosen zum Trocknen. Wäscheständer gibt es hier nicht. Auf den Wegen zwischen den Zelten spielen einige Kinder Fangen. Einzelne haben ein kleines Dreirad, mit dem sie über das Gelände fahren. Es sind aber nicht viele der Flüchtlinge außerhalb der Zelte anzutreffen. Es ist kalt, leichter Nieselregen macht den Aufenthalt draußen ungemütlich. Rund um die Zelte sind Sandsäcke ausgelegt, die den Innenraum vor eindringender Feuchtigkeit schützen sollen. Auch Fawaz Faour aus Syrien hält sich mit seiner Familie im warmen Zelt auf. Er ist stark erkältet und froh, nun bald nicht mehr im Zelt hausen zu müssen.

Das Land Niedersachsen arbeitet inzwischen mit Hochdruck daran, winterfeste Unterkünfte für Flüchtlinge zu schaffen. Gestern hat der Aufbau von sogenannten "Mobile Homes" begonnen. Diese Schnellbauhütten sind richtige, kleine Häuser, ähnlich einer Gartenhütte, die aus festem Kunststoffmaterial in Leichtbauweise errichtet werden. Alexander Götz, Leiter der Kommunalabteilung im Niedersächsischen Ministerium für Inneres und Sport, war gestern mit den Zuständigen vom Malteser Hilfsdienst, die die Flüchtlinge in Scheuen betreuen, vor Ort, um sich den Aufbau der Schnellbauhütten anzusehen. Auch Mirko Temmler vom Referat für Brand- und Katastrophenschutz des Niedersächsischen Innenministeriums und Celler Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende schauten sich die Häuser an.

"Wir möchten bis Ende Oktober alle Zelte abbauen und den Flüchtlingen winterfeste, trockene Unterkünfte in Form dieser kleinen Häuser bieten. Sie sind jeweils 16 Quadratmeter groß und bieten Platz für vier bis sechs Personen. 250 dieser Hütten werden nun hier in Scheuen aufgebaut", sagt Götz.

Die Firma Nordwest-Box liefert die Leichtbauhäuser. In ganz Niedersachsen sollen 1250 Stück aufgebaut werden. "Sie können schnell auf- und später schnell wieder abgebaut werden, sodass sie auch nachhaltig zum Beispiel für den Katastrophenschutz einsetzbar sind", sagt Temmler.

Engagierte Celler THW-Mitarbeiter bauen die Einzelteile auf dem Scheuener Gelände zusammen. Neun Helfer sind vor Ort und schrauben die Seitenwände und das Dach zusammen. "Wir brauchen im Moment etwa zwei Stunden zum Aufbau eines Hauses. Im Anschluss kommt dann der Elektriker, der Elektroleitungen verlegt", sagt Tobias Klose vom THW Celle. In den kleinen Hütten wird es Licht geben und eine Elektroheizung installiert, die im nahenden Winter effektiv heizt.

Fawaz Faour freut sich auf den Umzug in das Schnellbauhaus. Er ist mit seiner Frau und den vier Kindern aus Damaskus vor dem Krieg in Syrien geflohen und hat eine nervenaufreibende Flucht hinter sich. "Wir waren 24 Tage unterwegs, haben eine Reise mit einem kleinen Boot, wo mehr als 50 Menschen drauf waren, überstanden und sind über die Türkei, Griechenland und Ungarn nach Deutschland gekommen. Ich wünsche mir eine gute Zukunft für unsere Kinder und dass der Krieg in Syrien endlich aufhört", sagt der 51-Jährige.

Wenn die erste Reihe der Schnellbauhütten aufgebaut ist, werden nach und nach die Flüchtlinge in die winterfesten Unterkünfte einziehen können, sodass "spätestens kommende Woche alle einen sicheren, warmen Schlaf- und Wohnplatz in der Notsituation haben", sagt Götz.

Von Jessica Poszwa