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Celle Ortsteile Flüchtlingskinder in Scheuen lernen Verkehrsregeln
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Flüchtlingskinder in Scheuen lernen Verkehrsregeln
18:12 13.04.2016
In 45 Minuten lernen die Flüchtlingskinder in Scheuen, wie sie sich an der Ampel und am Zebrastreifen verhalten müssen. Behzad Mohammed hilft beim Übersetzen. Quelle: Michael Schäfer
Scheuen

Sechs Kinder sausen im Kreis an den Ampeln vorbei, jedes Kind trägt ein Lätzchen mit einem Auto, einem Laster oder einem Fahrrad darauf. An der Seite warten sechs „Fußgänger“ auf die Grünphase – so wie auf den Lätzchen zu sehen: Rentner, Mütter und Schüler. Dann springt die Ampel auf Rot, doch die Autos rasen weiter. „Habt ihr auch richtig geguckt?“, fragt Moderatorin Melanie Persson und stoppt die Raser. Bei der nächsten Runde bleiben sie vorbildlich stehen.

Für die Flüchtlingskinder in der Malteser-Notunterkunft Scheuen ist vieles neu in Celle, auch die Verhaltensregeln an den Ampelanlagen und dem Zebrastreifen. Darum engagiert sich der ADAC vor Ort und will die Kinder mit ihrem Verkehrserziehungsprogramm „Aufgepasst mit ADACUS“ spielerisch an ihre Rolle als Verkehrsteilnehmer heranführen. Übersetzer Behzad Mohammed erklärt: „Die Kinder sind mitten im Bürgerkrieg geboren. Wahrscheinlich haben sie in ihren Herkunftsländern nichts von den Verkehrsregeln mitbekommen. Wenn es keinen Strom gibt, funktionieren ja auch die Ampeln nicht.“

In einem rund 45-minütigen Programm vermittelt Persson ehrenamtlich die wichtigsten Sicherheitsaspekte im Straßenverkehr. Damit der Spaß nicht zu kurz kommt, hat die 47-Jährige den Vogel „ADACUS“, eine wissbegierige Puppe, mitgebracht. Es sei typisch, dass die Kinder die Ampeln in der ersten Runde nicht beachten. Auch die einfachsten Regeln seien für sie zunächst befremdlich. „Die Kinder sind aber sehr willig und wollen lernen, wie sie sich verhalten müssen“, erzählt die selbstständige Kraftverkehrsmeisterin aus Gifhorn.

Der Straßenteppich kann einfach zum Zebrastreifen umgedreht werden. Hier gilt es, richtig nach links und nach rechts zu gucken. Neben der Vermittlung der wichtigsten Verkehrsregeln gehe es dem ADAC darum, „dass die Kinder auch einmal etwas anderes sehen und sie sich von ihrem stressigen Alltag im Flüchtlingscamp ablenken können“, erklärt Bernward Franzky, Vorstandsmitglied Verkehr des ADAC Niedersachsen/Sachsen-Anhalt. Da es den Kindern leichter falle, Deutsch zu lernen, könnten sie die Regeln an ihre Eltern weitergeben. Der Vor-Ort-Termin in Scheuen sei der erste seiner Art in Niedersachsen. Am Ende bekommt jedes Kind die Broschüre „Einfach sicherer unterwegs“ mit den wichtigsten Verkehrszeichen und Vorschriften auf Deutsch, Englisch und Arabisch.

Von Dagny Rößler