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Celle Ortsteile Flüchtlingswelle erreicht Celle
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Flüchtlingswelle erreicht Celle
16:51 25.07.2014
Von Michael Ende
Flüchtlinge aus Afrika haben oft eine gefährliche Reise hinter sich und Traumata im Gepäck. Die Stadt Celle will sie jetzt intensiver betreuen. Quelle: Hannibal
Celle

In den Fernsehnachrichten gehören sie längst zum täglichen Programm: Flüchtlinge aus Afrika, die Armut, Bürgerkriege und Perspektivlosigkeit hinter sich lassen wollen und ihr Leben riskieren, indem sie sich in vollkommen überfüllten Nussschalen auf dem Weg übers Meer machen. Das Ziel dieser Elenden kommt ihnen wie das gelobte Land vor: Europa lockt mit Frieden, Freiheit und Reichtum. Tausende sterben beim Versuch, die EU zu erreichen. Hunderttausende Afrikaner setzen in Griechenland, Spanien oder Italien ihren Fuß auf EU-Territorium. Doch am Mittelmeer ist ihre Reise längst nicht vorbei. Sie werden innerhalb der EU verteilt. 152 sind auf dem Weg nach Celle.

Der Landkreis hat der Stadt kürzlich mitgeteilt, dass sie bis Mitte 2015 so viele Flüchtlinge aufnehmen müsse. 415 müssen in diesem Zeitraum laut Landesaufnahmebehörde im Kreisgebiet untergebracht werden. Rund 900 dieser Zuwanderer leben nach Auskunft der Stadtverwaltung bereits in Celle. „Die Zahl von 152 ist das Signal, dass es langsam ernst wird“, sagte Stadtrat Stephan Kassel jetzt im städtischen Sozialausschuss. Mann könne zwar noch nicht von einem Fass, das überlaufe, sprechen, müsse sich aber verstärkt darum kümmern, die Fremden adäquat unterzubringen.

Jetzt gehe es nicht mehr um die „schönen, großen Familien“, die einander Halt geben und sich relativ leicht integrierten oder zumindest kaum auffällig würden, sondern vermehrt um einzelne junge Männer aus Schwarzafrika, so Kassel. Die Landesaufnahmebehörde hatte der Stadtverwaltung Folgendes mitgeteilt: „Sehr viele Personen sind zurzeit aus dem Sudan, Elfenbeinküste, Somalia, Liberia, Eritrea, und Algerien. Das heißt, auch Celle wird in jedem Fall demnächst mit afrikanischen Flüchtlingen bevölkert werden.“ Kassel: „Es geht jetzt nicht nur darum, diese Menschen irgendwo unterzubringen, sondern sie dürfen auch nicht allein gelassen werden. Manche sind völlig hilflos, weil sie noch nie so viele Häuser gesehen haben - andere kommen aus riesigen Städten und vermissen hier die U-Bahn.“ Es reiche nicht, ihnen die Schlüssel zu irgendeiner Unterkunft in die Hand zu drücken und zu sagen: „Nun macht mal.“

Die stetig steigenden Ausländer-Zahlen und die aktuelle Quote erforderten daher aus Sicht der Verwaltung einen veränderten Umgang mit diesem Phänomen: „Die bislang geleistete Betreuung reicht bei zunehmenden Zuweisungszahlen, insbesondere von alleinstehenden Personen, nicht mehr aus. Gerade die für diesen Personenkreis notwendige Unterbringung in Wohngemeinschaften birgt im Hinblick auf die oftmals unterschiedlichen Herkunftsländer ein erhöhtes Konfliktpotential.“ Um diesem entgegen wirken zu können, sei es erforderlich, Problemlagen schnell zu erkennen und zu lösen. Ein wesentlicher Baustein sei hierfür die Entwicklung einer Tagesstruktur, etwa durch die Schaffung von Arbeitsgelegenheiten. Es wird daher vorgeschlagen, eine „Zentrale Anlaufstelle“ (ZA) für Flüchtlinge und Obdachlose einzurichten. Die ZA sollte aus zwei Mitarbeitern, darunter ein Sozialpädagoge, bestehen und zunächst zwei Jahre befristet sein. Rund 48.000 Euro jährlich sollten dafür im Haushalt vorgesehen werden.

Im Sozialausschuss stieß die Idee einer ZA auf breite Zustimmung. „Wir brauchen Asylbewerber-Kümmerer“, sagte Juliane Schrader (Grüne). „Wir sind verpflichtet, dieses Geld auszugeben - gesetzlich und moralisch. Und wir können uns das leisten“, sagte Ralf Blidon (FDP): „Es ist unverantwortlich, wenn wir diese Leute lediglich verwalten und sonst links liegen lassen. Ich möchte mit keinem von denen tauschen, und wenn sie hierher zu uns kommen, müssen wir uns um sie kümmern – von der ersten Sekunde an.“