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Celle Ortsteile Freie Wähler-Kandidat Michael Osterloh: "Vor Ort gucken, wo es brennt"
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Freie Wähler-Kandidat Michael Osterloh: "Vor Ort gucken, wo es brennt"
19:25 29.09.2017
Von Audrey-Lynn Struck
Altenhagen

Vier von fünf Passanten nähmen jetzt sogar einen Flyer mit, behauptet er. „Zumindest in der Wahrnehmung der Menschen sind die Freien Wähler nicht mehr unter der Grasnarbe versteckt. Und das ist für so eine Graswurzelbewegung wie uns was ganz Schönes.“

Doch was hat sich seitdem geändert? Früher seien die Freien Wähler noch abfällig als „Gullydeckel-Partei“ bezeichnet worden, weil sie sich um den Kleinkram der Menschen kümmerten. Doch genau dieser Kleinkram gehöre zum Erfolgsrezept. „Die Menschen sehen langsam, dass wir keinen Ideologien folgen und vor Ort gucken, wo es brennt“, ist sich Osterloh sicher.

Der Altenhäger fing als Kommunikationselektroniker bei der Bundeswehr an, es folgte ein Studium der Verwaltungswirtschaft. 2008 stellte er sich beruflich komplett um und wurde Tagespfleger. Mit seiner Frau eröffnete er einen „privaten Kindergarten“, bei dem sie rund um die Uhr maximal fünf Kinder betreuen. „Wenn eine Mutter zum Beispiel kurzfristig ins Krankenhaus muss, ruft sie uns an, und wir kümmern uns um das Kind. Auch am Wochenende oder nachts“, erklärt Osterloh.

Erst im Alter von 40 Jahren kam er zu der Partei. Damals habe er sich gedacht: „Jetzt bist du alt genug, wenn du dich politisch engagieren möchtest.“ 2011 kam es dann zu einem „denkwürdigen“ Jugendhilfeausschuss, erinnert er sich. In der Sitzung war auch der Freie-Wähler-Politiker Torsten Schoeps, der sich für seine Verbesserungsvorschläge offen zeigte und Osterloh mit Herzblut anstatt mit Phrasen überzeugte. „Politik sind nicht die Programme, sondern die Menschen“, sagt Osterloh. Schoeps habe ihm so imponiert, dass er sich nach der Sitzung mit ihm weiter unterhielt und schließlich der Partei beitrat.

Mit den Freien Wählern möchte er vor allem im ländlichen Raum eine bessere Infrastruktur schaffen. „Wer auf dem Land wohnt, hat momentan kaum eine Wahl, er muss sich ein Auto anschaffen“, sagt Osterloh. Wenn man mit dem Bus von Bergen nach Celle fahre, brauche man zum Teil an die zwei Stunden Fahrzeit, behauptet er. „Wir brauchen unbedingt bessere Busverbindungen“, so der 46-Jährige.

Große Unterstützung im Wahlkampf bekommt der Altenhäger von seiner Familie. Nur ein halbes Jahr nach seinem Eintritt in die Partei zog sein Sohn Claas nach. „Damals war er mit seinen 14 Jahren eigentlich noch zu jung und es gab laut Gesetz ein höheres Mindestalter“, erzählt Osterloh. Auf Claas‘ Antrag hin sei das niedersächsische Gesetz schließlich geändert worden. Zusammen mit seinem Vater hat der 19-Jährige dieses Jahr auch einen Teil des Landesprogramms für Niedersachsen geschrieben.