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Celle Ortsteile Garßen: Ärger um verfallenes Haus
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Garßen: Ärger um verfallenes Haus
17:51 02.12.2011
Von Oliver Gatz
F¸r die einen ist es ein Schandfleck in Garflen, f¸r andere ein sch¸tzenswertes Denkmal: Um das ehemalige Gemeindehirtenhaus an der Alvernschen Strafle l‰uft seit Jahren ein heftiges Tauziehen. Quelle: Peter M¸ller
Garßen

Für die einen ist es ein Schandfleck in Garßen, für andere ein schützenswertes Denkmal: Um das ehemalige Gemeindehirtenhaus an der Alvernschen Straße läuft seit Jahren ein heftiges Tauziehen. Eigentümer Wilhelm Uhde wollte das marode Gebäude aus dem 18. Jahrhundert abreißen lassen. Doch er durfte nicht. Der Celler Denkmalschutz machte ihm einen Strich durch die Rechnung.

Eine Sanierung des alten Schäferhauses kommt für ihn aus Kostengründen nicht in Frage, sagt Uhde. „Zwischen 500.000 Euro und einer Dreiviertel Million könnte mich das kosten“, meint der Garßener. Das treibe ihn in den Ruin. Deshalb will Uhde, dass sein Eigentum aus dem Denkmalschutz herausgenommen wird – bislang ohne Erfolg. Jetzt will er in den sauren Apfel beißen und einen Gutachter einschalten, der die wirtschaftliche Unzumutbarkeit einer Restaurierung und Umnutzung nachweist. „Da komme ich nicht drumherum“, sagt Uhde zähneknirschend. Diese Expertise werde ihn voraussichtlich einige Tausend Euro kosten.

Der ehemalige Stadtdenkmalpfleger Eckart Rüsch hatte sich vehement für den Erhalt des alten Hauses eingesetzt. In einem Schreiben räumte er ein, dass das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege es seinerzeit versehentlich versäumt hatte, den Eigentümer über die Aufnahme des Gebäudes in das Denkmalverzeichnis zu informieren. Uhde hatte den Antrag auf Abriss gestelllt, nachdem das Haus bereits unter Denkmalschutz stand.

„Ich bin eigentlich zuversichtlich, dass es noch sinnvolle Erhaltungsmöglichkeiten für dieses in Garßen wichtige Baudenkmal geben könnte“ schrieb Rüsch. Er schlug vor, dabei behilflich zu sein, für das Gebäude in einschlägigen Denkmalbörsen einen Käufer zu finden. Doch das klappte nicht. „Einige haben sich das Haus angeschaut. Aber es wollte keiner. Das hat nichts gebracht“, erinnert sich Uhde.

Der 67-Jährige hat kein Verständnis dafür, dass das Gebäude, das jahrelang nicht unter Denkmalschutz stand, nun seit Oktober 2005 schützenswert sein soll. Fachwerk gebe es nur noch an der Vorderfront und am westlichen Giebel, erläutert Uhde. „Kann man etwas unter Denkmalschutz stellen, was kaum mehr Fachwerk hat?“, fragt sich der Landwirt.

Der fortschreitende Verfall des Hauses veranlasste Rüsch, dem Eigentümer Sanktionen anzudrohen, sollte er das Gebäude nicht reparieren. So sollte Uhde ein Zwangsgeld von 2000 Euro zahlen, wenn er nicht umgehend die Regenrinnen erneuert. Zwei dieser denkmalschutzrechtlichen Anordnungen flatterten dem Landwirt 2007 und 2009 ins Haus. Uhde lenkte in beiden Fällen ein. Für 4000 bis 5000 Euro habe er das Dach abdichten lassen, erläutert er. „Außerdem musste ich Türen und Fenster zumachen und die Dachrinne erneuern lassen.“ Das habe ihn noch einmal 3000 bis 4000 Euro gekostet.

Rüsch machte deutlich, dass er zu weitgehenden Zugeständnissen bei der Umnutzung des Gebäudes bereit sei. Er habe sogar eine Mitfinanzierung für die Ausarbeitung alternativer Nutzungskonzepte in Aussicht gestellt. „Der Eigentümer ist darauf leider nicht eingegangen“, so der Denkmalpfleger.

„Eine von der Denkmalschutzbehörde vorgeschlagene Zurückversetzung des Gebäudes würde mich wirtschaftlich ruinieren“, sagt Uhde. Auch eine Umnutzung des Gebäudes erscheint ihm aussichtslos. Uhde ist bereit, das alte Haus kostenlos abzugeben. Bislang hat sich noch niemand gemeldet – wen wundert‘s.