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Celle Ortsteile Garßener Bälleholen als „Konfirmation für die Frau“
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Garßener Bälleholen als „Konfirmation für die Frau“
18:08 08.01.2017
Schützenmeister Thomas Langanki:„Die Autofahrer staunen nicht schlecht, wenn wir hier im Winter marschieren“. Die Mädchen sind die Hauptperson, geleitet vom Schützenverein werden sie zu den Häusern der Ballgeber geführt. Quelle: Alex Sorokin
Garßen

Einen Großteil des Garßener Schützenvereins, der vor ihrem Haus aufmarschiert ist, bewirten sie, während Marie unter den Augen der vier „Junggesellen“, die den Spaß nach alter Sitte organisiert haben, jedes Möbelstück untersucht, Kissen abtastet und Gefäße ausschüttelt. „Hier kann er doch nicht sein“, sagt sie, nimmt den Kaminholzstapel aber dennoch auseinander. „Oh, mit solchen Äußerungen wäre ich ganz vorsichtig“, lässt Schützenmeister Thomas Langanki die Steilvorlage nicht ungenutzt.

Das Bälleholen geht auf eine in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts entstandene Tradition zurück, die auf den Eintritt der jungen Frauen ins Erwachsenenalter anspielt. „Schluss mit der Spielerei, das richtige Leben fängt an. Es ist eine Art Konfirmation für die Frau“, beschreibt Mitorganisator Senn den Brauch. Lediglich zwei Dörfer deutschlandweit pflegen die Überlieferung noch, eines davon ist Garßen, das dem Original am nächsten ist. Das ganze Jahr über sorgt das Spektakel, das von vier Mädchen in vier Häusern absolviert wird und dem sich abends der ebenfalls traditionelle Drei-Königsball anschließt, bei dem die phantasievoll verzierten Bälle Teil der Kulisse sind und abgetanzt werden, für Gesprächsstoff. Dass Garßen das Brauchtum exclusiv aufrecht erhält kommt nicht von ungefähr. Schützenmeister Langanki liefert die Erklärung: „Wir sind nicht nur anders, wir wollen auch anders sein.“

Von Anke Schlicht