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Celle Ortsteile Gefährliche Böller
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Gefährliche Böller
16:48 27.12.2011
Von Christoph Zimmer
Celle

Barockfeuerwerk, Raketenzischen und Sternenregen: In der Silvesternacht wird es auch am Celler Himmel wieder funkeln und blitzen. Rund 113 Millionen Euro dürften sich die Deutschen ihr Feuerwerk zum Jahreswechsel kosten lassen, davon geht der Verband pyrotechnischer Industrie in Ratingen aus. Die Preise werden nach Verbandsangaben stabil bleiben, am morgigen Donnerstag startet der Verkauf von Böllern und Raketen in Baumärkten und Discountern. Für den Absatz in den Geschäften sei gutes Wetter wichtig. „Mild und trocken wäre am besten“, sagt Klaus Gotzen, der Geschäftsführer des Verbandes.

Besonders beliebt sind die sogenannten Batteriefeuerwerke. So ein Klotz wird nur einmal gezündet – dann feuert er ein bis zu drei Minuten dauerndes Feuerwerk ab. „Bequemlichkeit setzt sich durch“, sagt Bernd Müller. Der Ortsbrandmeister der Hauptwache weiß, „dass die Leute keine Lust haben, hundertmal zu zünden“. Dem kämen Gesetzesänderungen entgegen: Seit zwei Jahren dürfen die Verbundfeuerwerke, wie die Batterien im Fachjargon heißen, bis zu 500 Gramm Schwarzpulver enthalten. Die Batterien kosten zweistellige Eurobeträge, für besonders große Feuerwerke müssen Kunden sogar um die 100 Euro hinlegen. Als ewiger Klassiker erweisen sich die Raketen. „Bei den Cellern sind und bleiben sie einfach der Favorit“, sagt Müller. Warum das so ist? Das habe wohl sehr viel mit Nostalgie zu tun. „Außerdem legen die Leute großen Wert darauf, auch optisch was schönes zu haben.“

Wer es an Silvester krachen lassen will, kann sich mit dem entsprechenden Feuerwerk ab morgen in den Geschäften eindecken. Im Internet dagegen lassen sich Feuerwerkskörper schon seit Wochen bestellen. „Diese Angebote sind mit großer Vorsicht zu genießen“, sagt Müller und meint: wer nicht aufpasst, holt sich mit einem Mausklick gefährliche illegale Pyrotechnik. „Anbieter, die ihren Sitz meist im Ausland haben, haben extrem gefährliche Feuerwerkskörper in ihrem Sortiment.“ Diese Pyrotechnik sei nicht nur verboten, sondern vor allem eins: gefährlich. „Die Risiken sind extrem“, warnt Müller, „selbst bei einer umsichtigen Anwendung können die mangelhafte Verarbeitung und Verwendung von Industriesprengstoff schwerste Verletzungen nach sich ziehen.“

Wer verbotene Feuerwerkskörper nach Deutschland einführt, verstößt gegen das Sprengstoffgesetz. Das Gesetz sieht erheblichen Geldstrafen beziehungsweise Freiheitsstrafen von bis zu drei Jahren vor. In Deutschland sind nur Feuerwerkskörper erlaubt, die durch die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) zugelassen wurden. Sie verfügen über ein entsprechendes Zulassungszeichen und Gebrauchshinweise in deutscher Sprache. „Diese Voraussetzungen erfüllen Böller und Raketen aus Polen und Tschechien in der Regel nicht“, sagt Müller. Er empfiehlt daher dringend, beim Erwerb von Feuerwerkskörpern auf das Zulassungszeichen zu achten und im Zweifelsfall die Finger von gefährlichen scheinbaren Schnäppchen zu lassen.

Die Freude über die vermeintlichen Schnäppchen können nämlich schnell in Leid und Schmerz verpuffen, denn immer wieder verletzten sich in Deutschland tausende Menschen in der Silvesternacht, wenn in den Händen angezündete Knaller und Raketen explodieren. „Das ist die häufigste Ursache für abgerissene Fingerglieder und Verbrennungen“, sagt Uwe Ammoneit, der Leiter des Rettungsdienstes des Deutschen Roten Kreuz in Celle. Außerdem seien Verletzungen an den Augen und Ohren sehr häufig, „das Knalltrauma ist in der Silvesternacht eine ganz typische Verletzung“, so Ammoneit. Also: immer Abstand halten, wenn die Böller und Raketen gezündet worden sind.