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Celle Ortsteile Gefechtslärm hinterm Gartenzaun: Bundeswehr übt Infanterie-Kampf in Celle
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Gefechtslärm hinterm Gartenzaun: Bundeswehr übt Infanterie-Kampf in Celle
18:48 01.06.2018
Von Michael Ende
Quelle: Fremdfotos/eingesandt
Wietzenbruch

Tack! Tack! Tatatat! Brrrrrrt! Buuum! Tatatat! „Sanitäter!“ Brrrrrrrrt! Brrrrt! Wer jemals den Lärm eines militärischen Gefechts gehört hat, dem stellen sich die Nackenhaare auf, wenn er Geräusche wie diese vernimmt. Das Peitschen von Schüssen, Rattern von Maschinengewehren, Detonationen von Granaten, Schreie von Verwundeten – Gefechtslärm wie diesen hören die Anwohner der Wietzenbrucher Immelmann-Kaserne jetzt regelmäßig.

Denn hier trainieren Soldaten den Infanterie-Kampf – natürlich nur mit Platzpatronen. Das ist neu. Bald könnten auch neue Zuhörer hinzukommen: Die Stadt Celle plant in direkter Nachbarschaft zur Übungs-Kampfzone ein Wohngebiet.

130 Dezibel – lauter als ein Presslufthammer ist ein MG. Soldaten müssen sich bei dem Krach mit Gehörschutz vor einem Knalltrauma schützen. Die Anwohner haben so etwas nicht. Einer von ihnen ist Niels Führer, der von seiner Terrasse aus Kasernenblick genießt. Er und seine Familie gehören zu den Wietzenbruchern, die sich in Jahrzehnten an dem Lärm, der vom Fliegerhorst ausging, gewöhnt haben.

„Startende Hubschrauber und Transportflugzeuge auch in der Nacht – das kennen wir alle“, sagt Führer: „Neu ist, dass es hier jetzt richtig scheppert, wenn Soldaten mit Übungsmunition aufeinander losgehen.“ Ihm selber mache das wenig aus: „Doch als wir letztens Gäste hier bei uns hatten und die den Kampflärm hörten, dachten die erst, der dritte Weltkrieg bricht aus.“

Noch auf weite Entfernung hört man die Übungs-Gefechte in der Kaserne. Ohne sie gehe es leider nicht, sagt Celles Bundeswehr-Standortältester, Oberstleutnant Jörn Rohmann, der das Wietzenbrucher Ausbildungs- und Übungszentrum Luftbeweglichkeit kommandiert. „Die Kaserne ist nicht nur Flugfeld, Versorgungs- oder Unterbringungseinrichtung, sondern ein Ort, an dem ausgebildet und geübt wird.

Im Zuge der Grundausbildung der Rekruten des Feldwebel- und Unteroffizieranwärterbataillons 2 werden pro Jahr insgesamt 960 Soldaten in zwei Kompanien ausgebildet. Hierbei steht die infanteristische Ausbildung deutlich im Schwerpunkt. Und diese ist nicht nur auf dem Standortübungsplatz Scheuen, sondern aufgrund des abwechslungsreichen Geländes innerhalb der Immelmann-Kaserne in einen gewissen Rahmen ebenfalls möglich.“ Die Soldaten trainieren unter anderem den Feuerkampf in der Gruppe oder das Verhalten als Alarmposten.

Die Gefechtsausbildung der Soldaten erfolge nach wie vor in erster Linie auf dem Standortübungsplatz in Scheuen. Dafür sei dieser Übungsraum hauptsächlich da und dafür werde dieser in Zukunft durch eine Reihe von Optimierungen weiterentwickelt, erläutert Rohmann: „Nichtdestotrotz: Die Immelmann-Kaserne ist und bleibt als Ausbildungsraum eine notwendige und auch zweckmäßige Ergänzung des Standortübungsplatzes."

Zeit sei heute bei der Bundeswehr wie vieles andere ein knappes Gut. Rohmann: „Die Zeiten, in denen man Soldaten vor dem Morgengrauen hat antreten und bis zum Waffenreinigen am späten Abend hat arbeiten lassen, sind nun mal vorbei. Insbesondere wenn es um die Ausbildung kleinerer Ausbildungsgruppen gehe, ist die Immelmann-Kaserne eine sehr gute, effiziente und zeitsparende Alternative“. Rohmann betont, dass es wichtig sei, dass die angehenden Unteroffiziere und Feldwebel ein möglichst gutes Rüstzeug auch für den Kampf mit auf den Weg bekämen: „Sie werden später selbst Männer und Frauen anführen und ausbilden. Da müssen sie das soldatische Handwerk beherrschen und genau wissen, was sie tun.“

Baugebiet: Ob auch der Celler Stadtrat weiß, was er tut? Er hat Planungen für das in unmittelbarer Nähe der Immelmann-Kaserne angedachte "Wohngebiet am Regeberg" angeschoben. Die Bundeswehr plant den Ausbau von Wietzenbruch zum internationalen Ausbildungs- und Übungszentrum. In der Immelmann-Kaserne wird es bald richtig rund gehen. Häuslebauer hätten dann die Übungs-Kampfzone praktisch direkt hinterm Gartenzaun.

Umhören: Im Rathaus hat man damit wenig Probleme. "Nach Aussagen der Bundeswehr wird im Rahmen der Neukonzeption eine schalltechnische Beurteilung des Übungsbetriebes durch einen entsprechenden Gutachter durchgeführt", so die städtische Pressesprecherin Myriam Meißner. Zukünftigen Bauherren empfehle die Stadt, sich vorher umzuhören: "Es bietet sich grundsätzlich für Interessierte für Bauflächen an, sich vor dem Erwerb mit dem Umfeld des künftigen Lebensumfeldes vertraut zu machen und für sich die Entscheidung zu treffen, welche äußeren Einflüsse als erträglich empfunden werden."

"Realisierbar": Der Celler Makler Norbert Frohms bietet bereits jetzt mehr als 18.000 Quadratmeter Bauland-Entwicklungsland am Regeberg an. "Realisierbar Mitte 2018", heißt es im Internet-Exposee. Für Frohms ist die Wohnlage "äußerst attraktiv": "Außerdem braucht Celle Bauland." Ob sich der Gefechts-Lärm negativ auswirken werde, könne man nicht sagen, so Frohms: "Man kann auch nicht sagen, wie sich die Wietzenbrucher Kaserne entwickeln wird. Bei der Bundeswehr ändert sich manches manchmal sehr schnell." Die Soldaten vor Ort seien dann oft die letzten, die von Umstrukturierungen erführen. Frohms möchte, dass die Bauleitplanung für den Regeberg zügig abgearbeitet wird: "Ich hoffe, dass wir im Bauausschuss im September einen Schritt vorankommen."

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