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Celle Ortsteile Geothermie: Akademie in Celle beibt klares Ziel
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Geothermie: Akademie in Celle beibt klares Ziel
17:23 21.02.2014
Von Michael Ende
Etwa in einem Vierteljahr solle der Bohr-Simulator eingeweiht werden. Quelle: Benjamin Westhoff
Celle

Man sieht dem schlichten grauen Betonklotz, der zur Zeit auf dem Gelände des ehemaligen Martahofes entsteht, nicht an, dass er in Zukunft weltweites Interesse auf Celle lenken wird. Doch der Bohrsimulator wird es in sich haben. Gespickt mit einzigartiger Hightech soll er auch dafür sorgen, dass die Herzogstadt ihrem Traum von einer eigenen universitären Einrichtung näher kommt. Erklärtes Ziel sei es, rund um den Drilling-Simulator eine Celler "Geothermie-Akademie" aufzubauen, hieß es jetzt unisono bei einem Arbeitstreffen von Vertretern aus Forschung und Wirtschaft. Sie freuen sich schon darauf, bald in Celle die richtig dicken Bretter bohren zu können.

"Der Drilling Simulator ist unser Einstieg in die universitäre Forschung in Celle", sagt Celles Erste Stadträtin und oberste Wirtschaftsförderin Susanne Schmitt in ihrer Funktion als Vorsitzende des Celler Erdwärme-Kompetenz-Netzwerks GeoEnergy. In Zeiten, in denen das Land Niedersachsen die Schaffung neuer Uni-Standorte praktisch ausschließe, gebe es nur einen Weg, den Forschungsstandort Celle auf- und auszubauen, so Schmitt: "Wir wollen hier eine Akademie entwickeln - keine rein universitäre Einrichtung, sondern eine Institution, in der Uni-Wissenschaftler zusammen mit der Celler Bohrmeisterschule und Experten der örtlichen Wirtschaft wissenschaftliches Neuland beschreiten und Technologien der Zukunft entwickeln. Ich bin mir sicher, dass wir eine Akademie der Geothermie als deutsches Kompetenzentrum etablieren können."

"Der Drilling Simulator wird eine weltweit einzigartige Forschungsstätte - ideal als Akademie-Nukleus geeignet", ist sich auch Professor Dr. Georg-Peter Ostermeyer, Leiter des Instituts für Dynamik und Schwingungen an der Technischen Universität Braunschweig, überzeugt. Das Land Niedersachsen stellt aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) rund fünf Millionen Euro für den Bau des Testzentrums zur Verfügung. Aus Landesmitteln kommen noch einmal rund vier Millionen Euro hinzu, mit denen auch die wissenschaftliche Ersteinrichtung finanziert wird. Die TU Clausthal leistet einen zusätzlichen Eigenanteil von 700.000 Euro. Daneben unterstützen die Stadt Celle und GeoEnergy den Aufbau des Forschungszentrums mit weiteren Mitteln.

„Flugsimulator für große Tiefen“ nennen Insider den Simulator. Hochinnovative Ansätze zur Bohrungserstellung können künftig mit seiner zum Teil im Maßstab 1:1 ausgeführt und experimentell untersucht werden. Mit den Softwaremodulen, die im Simulator zusammengeführt werden, können thermische, hydraulische, mechanische und chemische Prozesse und deren Wechselwirkungen in Echtzeit simuliert und geplante Bohrungen bereits vorab virtuell erkundet werden. "Die Technik, die hier eingebaut wird, wird extra nur für dieses Projekt entwickelt", berichtet Dr. Catalin Teodoriu, Bereichsleiter Tiefbohrtechnik an der TU Clausthal.

Im Simulator könne man bis zu 50 Meter lange Bohrstränge unter realistischen Bedingungen prüfen und gleichzeitig eine Bohrung simulieren. "Das ist kein rein virtueller Simulator", so Ostermeyer: "Das rappelt dann auch richtig. So etwas kann man mit Software allein nicht machen." Dabei handele es sich nicht um akademische Spielereien: "Die Frage ist zum Beispiel, warum man bei Bohrungen bis 4000 Meter Tiefe pro Stunde um 50 Meter voran kommt, darunter aber nur noch einen halben Meter pro Stunde. Was geht da unten vor? Das ist noch nicht geklärt."

An Fragen wie dieser ist auch die Celler Spezial-Industrie interessiert. "Deshalb ist sie in die Entwicklung des Simulators auch eng mit eingebunden", so Schmitt: "Bereits jetzt bringen sich örtliche ebenso wie internationale Firmen ein, um zusammen mit den Wissenschaftlern Forschungsschwerpunkte zu entwickeln." Etwa in einem Vierteljahr solle der Bohrsimulator eingeweiht werden, so Ostermeyer: "In zwei Jahren soll er dann voll einsatzfähig sein."