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Celle Ortsteile Gestaltungsvorschriften in Celler Altstadt: Weniger ist mehr
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Gestaltungsvorschriften in Celler Altstadt: Weniger ist mehr
18:09 10.02.2014
Von Michael Ende
Die Stadt soll ihre aus dem Jahr 1978 stammende Gestaltungssatzung für die Altstadt entrümpeln. Quelle: Lothar H. Bluhm
Celle

„Örtliche Bauvorschrift der Stadt Celle über die Gestaltung baulicher Anlagen in der Altstadt“ - das klingt nicht nur sperrig: Dieses auch als „Gestaltungssatzung“ bekannte Regelwerk war schon für viele Bauherren in der Celler Innenstadt ein ärgerliches Hindernis. Denn hier wird detailliert geregelt, wie die Kern-Altstadt auszusehen hat. Etwa so: „Dachaufbauten (Dachgauben, Zwerchgiebel usw.) sind zulässig, wenn deren Dächer eine Dachneigung zwischen 30° und 60° haben und mit roten, gebrannten Hohlpfannen (ohne Farbzusatz) nach DIN 456 gedeckt sind.“ „Viele fühlen sich durch diese Vorschriften gegängelt und bevormundet“, sagte Torsten Schoeps (WG) in der Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung und Bauen, der einstimmig dafür votierte, dieses Regelwerk zu durchforsten und zu modernisieren.

„Das wird kein einfaches Vorhaben, weil es so viele unterschiedliche Interessen abzuwägen gilt“, sagte der städtische Fachbereichsleiter für Stadtentwicklung, Wolfgang Schucht. Bereits 2010 hatte die Rats-CDU eine Überarbeitung der Gestaltungssatzung gefordert. Der Antrag verlief im Sande. Jetzt haben die Grünen beantragt, die Vorschriften zu durchforsten und zu lockern. Seitens der Verwaltung nickt man: „Die Architekturvorstellung von 1978, was sich als Neubau in die Altstadt einfügt, ist überholt.“ Es müsse nun nicht mehr unbedingt einzig und allein Fachwerk sein – zumal längst nicht alle bestehenden Häuser Fachwerkbauten seien.

Künftig solle es bei der Beurteilung neuer Bauvorhaben mehr Ermessensspielraum geben, so der Vorschlag der Verwaltung: „Gestaltung und Proportionen der Gebäude müssen sich einfügen.“ Dadurch sollten sich zukünftig mehr Gestaltungsmöglichkeiten eröffnen. Es gelte auch, neue Formen der Reklame zu legalisieren: „Werbeformen, die es 1978 noch nicht gab oder die unerschwinglich waren wie Beamer, großformatige Transparente oder Klebefolien.“

Judith Knabe (Grüne) regte an, im Rahmen einer Info-Veranstaltung möglichst viele Bürger mit ins Boot zu holen: "Kann man eventuell noch mehr regeln - wie etwa einheitliche Sitzbänke, Straßenpflaster oder Laternen?" Schucht sagte, dass die Stadt auf jeden Fall eine große Veranstaltung organisieren werde: "Wir wollen möglichst viele Ideen kennen lernen."

Michael Bischoff (CDU) kritisierte Knabes Idee, noch mehr Regeln zu erlassen: "Die Grünen neigen dazu, alles überregulieren zu wollen. Wir sollten uns aber nicht mit neuen Vorschriften einbetonieren." Man solle lieber den Haus- und Ladeninhabern in der Innenstadt mehr Freiräume einräumen: "Wir müssen die Menschen fragen, was sie auf dem Herzen haben. Bei diesen Vorschriften gilt: Ein bisschen weniger ist mehr."

Joachim Falkenhagen (FDP) stimmte Bischoff zu: "Die Änderung der Gestaltungssatzung ist von der Politik schon viel zu lange als dringend eingestuft. Es wird Zeit, dass sich was bewegt." Schucht warnte vor allzu großen Erwartungen. Man werde schwerlich sämtliche Regeln über Bord werfen können: "Wir müssen jetzt so handeln, als ob wir eine neuen Bebauungsplan aufstellten. Das muss solide vorbereitet werden und wird mindestens zwei Jahre dauern." Doch auch eine neue Satzung werde nicht nur Freunde haben, merkte Schucht an: "Vielleicht gibt es auch gar keine Satzung, die alle glücklich macht." Michael Ende