Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Celle Ortsteile Goller neuer Jäger-Vorsitzender
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Goller neuer Jäger-Vorsitzender
14:48 04.03.2012
Von Michael Ende
Jahreshauptversammlung Kreisj‰gerschaft mit DJV-Pr‰sident Quelle: Peter M¸ller
Bergen Stadt

BERGEN. Dass er als Nachfolger Günter Ilpers als Vorsitzender der 1551 Mitglieder zählenden Kreisjägerschaft in allzu große Fußstapfen getreten war, das ging Jürgen Lühmann nach seiner Wahl vor einem Jahr recht schnell auf. Schlagartig versank der Hermannsburger in Aktenbergen. Im Januar schätzte Lühmann, der mit der SPD-Bundestagsabgeordneten Kirsten Lühmann verheiratet ist, die Arbeit eines Jäger-Vorsitzenden wie folgt ein: "Das Tagespensum einer Bundestagsabgeordneten dürfte sie zeitweise überschritten haben." Dann legte Lühmann sein Amt aus persönlichen Gründen nieder. Den Staffelstab nahm der am Sonnabend mit 99,99 Prozent gewählte Hans Goller auf.

Goller hat als Leiter des Hegerings Celle bereits Erfahrung mit "Stabsarbeit"in Waidmannskreisen. Der 1945 geborene Berufsoffizier, der nach 39 Dienstjahren als Oberst die Bundeswehr verließ, ist verheiratet und hat vier erwachsene, berufstätige Kinder. Seit 1988 geht Goller in Bundes- und Landesforsten, hauptsächlich im Landkreis Celle, auf die Pirsch. Er wolle nicht einfach zusehen, wenn Jäger und die Jagd von vielen Seiten unter Beschuss gerieten, sagte Goller: „Die Jagd ist eines der ältesten Kulturgüter der Menscheit, und wer aus ideologischen Gründen gegen die Jagd ins Feld zieht, der will diese Kultur vernichten.“ Heute mehr denn jemals zuvor müssten die Jäger zusammenstehen, um ihren Platz im Leben zu behaupten so Goller.“ Ilper dazu: „Das ist der richtige Mann für uns.“

Kreisjägermeister Hans Knoop präsentierte die Bilanz eines erfolgreichen Jagdjahres im Celler Land. Ins Auge sprang dabei der deutliche Rückgang bei der Schwarzwild-Strecke, den Knoop als "gutes Zeichen" wertete: "Das war unser erklärtes Ziel." jetzt solle man die Chance nutzen, die Altersstruktur beim Schwarzwild zu verbessern: "Zum Beispiel, indem wir starke Überläufer schonen und wie gehabt jeden Frischling schießen, den wir waidgerecht erlegen können." Sorge bereite ihm die Situation beim Niederwild, so Knoop: "Teilweise haben wir Besätze, die nicht mehr bejagbar sind." Um die negativen Auswirkungen der modernen Agrarwirtschaft für das Wild abzumildern, müssten zum Beispiel durch Äsungs- und Blühstreifen Schutzzonen geschaffen werden. Knoop bat die Jäger, ihr Augenmerk auf einen erfolgreichen "Newcomer" zu richten: "Die Nutrias vermehren sich besonders im Einzugsgebiet der Lachte und im Flotwedel enorm. Hier sollte vermehrt eingegriffen werden – zumal die bis zu 13 Kilo schweren Nutrias schmackhafte Schinken liefern sollen. Wichtig dabei: die Trichinenprobe."

Landrat Klaus Wiswe dankte Knoop ausdrücklich dafür, dass er trotz schlafloser Nächte eine Zwangsjagd in einem Revier organisiert hatte, in dem eine uneinsichtiger Jäger in unverantwortlicher Weise einen viel zu hohen Rotwildbestand herangefüttert habe. Viel Erfolg wünschte Wiswe den Jägern bei Bau ihres Kommunikationszentrums im Scheuener Schießpark Celler Land, den der Kreis mit 25.000 Euro unterstütze. Celles Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende, der zum ersten Mal den Weg zur Kreishegeschau gefunden hatte, zeigte sich beeindruckt von den Leistungen der Jäger. Geld für den Celler Schießpark habe die Stadt Celle allerdings nicht, so der OB.

Energiegeladen und kämpferisch präsentierte sich Hartwig Fischer, neuer Präsident des Deutschen Jagdschutzverbandes (DJV), der über aktuelle jagdpolitische Herausforderungen referierte. Er plädierte dafür, dass man ideologisierten Jagdgegnern, die ohne Sachkenntnis und echte Argumente, aber dafür umso lautstarker gegen die Jagd wetterten, auf keinen Fall das zukunftsträchtige Internet überlassen dürfe. Unwissenheit sei zum Beispiel ein Grund dafür, dass Jagdgegner jüngstens über eine mögliche Bleibelastung von Wildbret fabuliert hätten – nicht wissend, dass gute jagdliche Treffer in der Regel Durchschüsse seien, und dass ein vom Jäger sachgerecht versorgtes Stück Wild „null Bleibelastung“ habe. Dieser Ignoranz gelte es mit aktiver Aufklärung zu begegnen – als einzelner Jäger und als Jägerverband. Auf Bundesebene hat sich Fischer viel vorgenommen: „Ich will den DJV in die Mitte der Gesellschaft bringen.“ Zumindest in Bergen funktionierte dies am Wochenende auch ohne Fischers Zutun.