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Celle Ortsteile Gospelmesse „Missa Parvulorum Dei“ begeistert in Westercelle
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Gospelmesse „Missa Parvulorum Dei“ begeistert in Westercelle
13:45 12.09.2017
In der voll besetzten Westerceller Christuskirche haben der Kirchenkreis-Chor „Cantamus“, ein Instumentalensemble und Sopranistin Juliette Jacobsen (Mitte) die Gospelmesse „Missa Parvulorum Dei“ aufgeführt. Quelle: Peter Bierschwale
Westercelle

Bei zeitgenössischer Musik darf man nicht immer musikalische Annehmlichkeiten erwarten, doch das war bei der 1989 uraufgeführten Gospelmesse von Ralf Grössler nicht der Fall. Grössler ist bei seiner Messe dem traditionellen Aufbau mit „Kyrie“, „Gloria“ und den weiteren Bestandteilen gefolgt, hat sie aber musikalisch modernisiert und mit zwei Psalmvertonungen eingerahmt.

Die rund 40 Sänger des Kirchenkreis-Chores „Cantamus“ und ein eigens für diese Aufführung zusammengestelltes Instrumentalensemble, bestehend aus Blechbläsern, Geigern, Rhythmusgruppe und einem E-Piano, überzeugten mit einem breiten Spektrum von Klängen, Stilen und Soli. Ob Jazz, Gospel, klassischer Choral, Blues, Bigband-Sound oder gar dramatische Dissonanzen im Stile eines Kurt Weill: Stets klangen die Stücke in sich stimmig, und der große Klangkörper erfüllte die Kirche.

Doch gekrönt wurde dieses Konzert von Sopranistin Juliette Jacobsen, die zumeist auf gospeltypische Weise in einen Dialog mit dem Chor trat. Mal gurrte Jacobsen wie eine Taube, röhrte dann wie eine Soulsängerin mit einer in Tiefen wie Höhen immer angenehm klingenden Stimme und zog gelegentlich auch den Ton jazzig-verzögert auf den Punkt. Pfiffig klang dazu die Begleitung mit Vibraphon-Klängen, die gelegentlich von E-Pianistin Elisabeth Michaelis eingestreut wurden.

Im positiven Sinne fiel ein Instrumentalstück aus dem Rahmen, eine „Meditation“ über den Choral „Wer nur den lieben Gott lässt walten“. Die Musiker spielten den Choral langsamer als üblich, dennoch klang die Musik spannungsreich, weil sich die Instrumente in der Melodieführung und der Improvisation ablösten. Zwischendurch waren auch mal schnellere Passagen und überraschende Wechsel von Moll auf Dur zu hören.

Komponist Grössler hat sich bei den Liedtexten an traditionellen Inhalten wie Psalmen oder dem Credo ausgerichtet, die aber auf Englisch geschrieben. Da war es eine Hilfe, dass diese Texte auf Englisch, aber auch in deutscher Übersetzung an das Publikum verteilt worden waren.

Die Musiker boten ein erstaunlich „großes Konzert“ in einer eher kleinen Kirche, und das Publikum bedanke sich mit stehenden Ovationen, um dann mit den „Ohrwürmern“ im Kopf, wie es Almut Höner zu Guntenhausen formulierte, den Heimweg anzutreten.

Von Peter Bierschwale