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Celle Ortsteile Gottesdienst im "Wohnzimmer"
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Gottesdienst im "Wohnzimmer"
15:12 28.07.2017
Celle

Celle. Guten Tag Frau Peschke-Feders, wie sind Sie zur Kirche und nach Celle gekommen?

Bereits als Jugendliche war ich in meiner Heimatgemeinde kirchlich aktiv und durfte dort unter anderem bereits erste Gottesdiente gestalten. Nach dem Abitur habe ich Theologie studiert und bin 1980 in Lühnde bei Hildesheim in den Dienst der Kirche getreten. Es folgten Gemeinden in Gifhorn und Nienburg, bis ich vor elf Jahren nach Celle kam und die Altenseelsorge übernahm.

In Celle sind Sie seit elf Jahren Altenheimseelsorgerin. Was darf ich mir darunter vorstellen?

Ich betreue in der Region 17 Alten- und Pflegeheime, in denen ich einmal im Monat, im Sophien-Stift zweimal, Gottesdienst feiere. Die Andachten finden meistens im Tagesraum statt, wo ein Altartisch mit Kreuz, Kerzen und Blumen aufgebaut wird. Den festen Rahmen der Gottesdienste bilden Bibeltexte, Glaubensbekenntnis und Vaterunser sowie Lieder. Weiterhin stehe ich den Bewohnern, Angehörigen und dem Personal für Gespräche zur Verfügung.

Haben Sie bei 17 Einrichtungen noch Zeit für die Anliegen Ihrer Kirchgänger?

Nach meinen Andachten habe ich immer noch Zeit für persönliche Gespräche. Bewohner besuche ich auch gern für ein gemeinsames Gebet oder einen Plausch auf deren Zimmern.

Worüber möchten betagte Menschen mit Ihnen reden?

Über den Umzug in ein Heim und den Verlust eines Großteils Ihrer Habe. Gesundheit, Krankheit und das Altern, wenn nach und nach die Kräfte schwinden und die Menschen das loslassen, was sie einst ausgemacht hat. Einschränkungen und Schmerzen, die vorher nicht da waren. Manchmal werde ich gefragt, ob ich für eine Person beten könnte. Auch Fragen nach dem „Wie lange muss ich noch hier sein?“ und „Kann nicht einfach Ende sein?“ werden gestellt. Mir sagte neulich eine bald 100-Jährige Dame: „Der liebe Gott hat mich vergessen. Jetzt ist eigentlich mal Zeit, dass ich gehe“.

Was antworten Sie auf diese Fragen?

Dann sage ich, dass das Ende irgendwann kommt und dass Gott noch etwas mit der Person vorhat. Ich frage dann auch, was es denn sein könnte, was Gott noch vorhabe und was noch zu besprechen sei.

Sucht auch das Personal das Gespräch mit Ihnen?

Genauso wie Heimbewohner und Verwandte haben auch Mitarbeiter Fragen zu Glauben, Recht und Ethik. Ich helfe natürlich gern, mit einem offenen Ohr, dem einen oder anderen Gespräch unter vier Augen oder mit dem ganzen Team. Teilweise vermittle ich auch, wenn jemand beispielsweise keinen Draht zu einer Person bekommt. Anders herum wären Gottesdienste ohne die Hilfe des Pflege- und Betreuungsteams der Einrichtungen nicht möglich. Die Pflegerinnen bereiten die Räume und die Bewohner auf den Gottesdienst vor und stellen sicher, dass jeder, der es möchte, auch teilnehmen kann. Was diese Menschen an Kummer und Tränen auffangen, ist schon enorm. Da komme ich mit meinem bisschen Seelsorge gar nicht mit.

Wie unterscheiden sich die Gottesdienste in einem Alten- und Pflegeheim zu denen in einer Kirche?

Die Gottesdienste sind etwas kürzer, auch Bibeltexte werden nicht in voller Länge verlesen. Ich predige anders als in der Kirche, um alle zu erreichen und auf die Lebenssituation einzugehen. Für meine Andachten komme ich gewissermaßen zu ihnen nach Hause, in ihr Wohnzimmer

Von Stefan Zutz