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Celle Ortsteile Graffiti sprayender Rentner muss zahlen
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Graffiti sprayender Rentner muss zahlen
12:43 21.12.2011
Celle

Zwei Jahre lang habe er erfolglos gegen die Gesellschaft prozessiert, da sich Schwarzschimmel in seiner damaligen Wohnung gebildet hatte. Als er im Mai 2010 aus einer Kneipe kam und zufällig auf die beiden Sprayer traf, habe er sie angesprochen. Die beiden Jugendlichen seien dann abgehauen, woraufhin er mit ihrer zurückgelassenen Farbe die Fenster und das Firmenschild schwarz besprüht hat - bis die Dose leer war.

Eine weitere Graffiti-Attacke vom Dezember 2009 konnte dem Angeklagten dagegen nicht nachgewiesen werden. Damals wurden ein Wohnhaus in der Hugenottenstraße und drei Tore mit gelber und orangeroter Farbe beschmiert. Bei einer im Mai 2010 erfolgten Hausdurchsuchung in der nahegelegenen Wohnung des Mannes wurde durch ein Gutachten des Landeskriminalamtes nachgewiesen, dass die zum Einsatz gekommene Dispersionsfarbe aus dem Keller des Rentners stammte. Bei ihm sei zuvor der Keller aufgebrochen worden und seine Fahrräder wurden mit Farbe beschmiert, versicherte er. Er habe daraufhin Strafanzeige gegen einen verdächtigen Mann gestellt, der zuvor auch seine Frau „unsittlich gemacht habe“.

Dem vielfach Vorbestraften, der weit über zwanzig Jahre seines Lebens wegen zahlreicher Vermögensdelikte in Haft verbracht hat, wurde außerdem Urkundenfälschung in drei Fällen vorgeworfen. In seiner Wohnung wurden im Mai letzten Jahres ein Spendensammler-Ausweis der Arbeiterwohlfahrt und eine Spendenmappe des Kirchenverwaltungsrats „Innere Mission“ gefunden. Beide Dokumente waren mit Karnevals-Fotos versehen, auf denen er - als Priester verkleidet - abgelichtet war. Auch ein weiteres gefälschtes Dokument sorgte für heitere Stimmung im Gerichtssaal. Der sogenannte „Landes-Steuer-Fahnder-Ausweis“, ebenfalls mit Lichtbild des 65-Jährigen, war obendrein auch noch falsch geschrieben.

Das sei er nicht gewesen, er könne nämlich gar nicht schreiben. Ein ehemaliger Mithäftling habe sich damals für zwei Wochen bei ihm einquartiert und die Ausweise in seiner Wohnung hergestellt, erklärte er. Er habe sie aber nicht als solche entziffern können, da er auch nicht lesen könne. Viel Glück hatte der Mann bei der Urteilsbildung: Da die beklagten Urkundenfälschungen bereits im Jahr 2004 begangen wurden, trat für diese Delikte die abgelaufene Verjährungsfrist in Kraft. Nur die Aufbewahrung des „Landes-Steuer-Fahnder“-Ausweises“ als Fälschung eines amtlichen Dokumentes brachte dem Renter einen Teil der Gesamtstrafe ein. Ein weiteres Dokument will er aber zumindest rechtmäßig erworben haben: Der zeitweilige Gerüstbauer gab an, einen Führerschein zu haben. Als Analphabet habe er aber nicht die theoretische Prüfung absolviert, sondern nur die Praktische.

Von Anke Prause